Ab wann bin ich alkoholkrank?

Nur ein Glas Wein jeden Abend, ein-zwei Bier zum Fußball. Schon der regelmäßige Konsum vermeintlich kleiner Mengen Alkohol ist Sucht. Meist zu spät fällt auf, dass es ohne das Glas Wein am Abend nicht mehr geht.

Alkoholkonsum gehört in der heutigen Gesellschaft zum Alltag. 97,4 Prozent der 18 bis 25-Jährigen in Deutschland haben in ihrem Leben bereits mindestens einmal Alkohol getrunken. Man kann dabei in risikoarmen Alkoholkonsum, Alkoholmissbrauch und Alkoholabhängigkeit unterscheiden. Die Übergänge zwischen den einzelnen Phasen sind meist fließend. Ein risikoarmer Konsum beträgt laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) 12g reinen Alkohol bei einer Frau und 24g bei einem Mann. Als Vergleich: bereits ein Glas Wein hat einen reinen Alkoholgehalt von 13g. Alles, was über diesen Richtwerten liegt, wird bereits als Hochkonsum oder riskanter Alkoholkonsum (Alkoholmissbrauch) bezeichnet. 

Bin ich süchtig? 

Die WHO hat im ICD10 (International Classification of Diseases) sechs Kriterien bestimmt, die auf eine Alkoholabhängigkeit hindeuten:

  • Es kommt zu Entzugserscheinungen wie Erbrechen, Übelkeit, Zittern oder Schwächegefühl. 
  • Man verliert wiederholt die Kontrolle über Beginn, Dauer, Ende und Menge des Alkoholkonsums. 
  • Die Betroffenen verspüren einen starken Zwang Alkohol zu konsumieren. 
  • Durch den häufigen Konsum kommt es zu einer Toleranzentwicklung (Es muss immer mehr getrunken werden, um die gleiche Wirkung zu erzielen). 
  • Andere Interessen werden vernachlässigt, alles dreht sich nur noch um das Beschaffen von neuem Alkohol. 
  • Obwohl man sich den Folgeschäden bewusst ist, wird der Konsum fortgesetzt. 

In Deutschland betreiben rund zehn Millionen Menschen riskanten Alkoholkonsum. Besonders unter Studenten ist das Konsumieren von Alkohol stark verbreitet. Jeder dritte Student leidet laut einer Studie von Professor Josef Baller unter dem sogenannten Alkoholsyndrom. Darunter sind die Begriffe Alkoholmissbrauch und Alkoholabhängigkeit zusammengefasst. 44 Prozent der männlichen und circa 19 Prozent der weiblichen Studenten erfüllen zumindest niederschwellig ein Kriterium für das Alkoholsyndrom. 

Da stellt sich nun die Frage, warum diese Werte besonders bei StudentInnen so hoch sind. Dies hat laut Baller soziale Motive: „Studenten trinken, weil das in ihrer Gruppe ‚in‘ ist.“ Wer auf einer Party nicht trinkt, wird schnell zum Außenseiter. Oft wird Alkohol auch dazu genutzt um soziale Unsicherheit, Angst oder Frust zu bewältigen. „Trinken“ macht entspannt und locker. Jugendliche oder junge Erwachsene, die im „normalen Leben“ eher schüchtern sind, nutzen die Wirkung von Alkohol vor allem, um aus sich heraus zu kommen. Außerdem tragen auch die meist neuen Lebensumstände zum Konsum bei: Viele Studenten sind zum ersten Mal von zuhause ausgezogen, jegliche elterliche Überprüfung entfällt. Da in den Universitäten und Hochschulen meist keine Anwesenheitspflicht gilt, gibt es auch hier keine äußerliche Kontrolle. Im Gegensatz dazu würde bei einem Azubi im Betrieb auffallen, wenn er verkatert beziehungsweise gar nicht in den Betrieb kommt. Er müsste daher mit Konsequenzen rechnen, die einen Studenten nicht treffen. 

Besonders bei Studenten ist der Konsum von Alkohol stark verbreitet. Doch viele sind sich der Folgen von häufigem Alkoholgenuss gar nicht bewusst. Bei einer Studenten-Party hat Campus38 fünf Studenten zu ihrem Trinkverhalten von Alkohol interviewt. 

Ich bin süchtig – was nun? 

Wenn mehrere der oben genannten Faktoren zu treffen, sollte man sich über seinen Alkoholkonsum Gedanken machen. Der erste Weg aus der Sucht fängt immer damit an, dass man sich seine Abhängigkeit vor Augen führt. Dies ist zugleich auch der schwierigste Schritt; sich selbst einzugestehen, dass man Hilfe braucht. Nur dann ist man in der Lage, sich bei Außenstehenden nach Unterstützung umzusehen. 

Beistand gibt es bei professionellen Stellen, wie einer Entzugsklinik. Hier gibt es spezielle Angebote zur Entgiftung des Körpers und bestimmte Therapien. Aber auch das Anvertrauen gegenüber Angehörigen, Freunden oder einer Selbsthilfegruppe bietet Erleichterung im Kampf gegen die Abhängigkeit. 

Sabrina Hampe arbeitet bei der Fachstelle für Sucht und Suchtprävention in Salzgitter. Hier wird sie tagtäglich mit den Folgen der Abhängigkeit konfrontiert. Campus38 hat mit ihr über die Folgen und vor allem über die Frage, wer alles alkoholsüchtig werden kann, gesprochen.

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