Als Frau in der Berufsfeuerwehr

Die Berufsfeuerwehr ist eine Männerdomäne. Feuerwehrfrauen sind noch immer eine Ausnahme. Anna arbeitet im mittleren Dienst auf der Feuerwache Süd in Braunschweig. Sie ist eine von vier Frauen auf dieser Wache. Mit Campus38 hat sie über ihren Werdegang gesprochen.

„Achtung Voralarm! Voralarm Löschzug Süd-Wache!“ dröhnt es aus den Lautsprechern der Feuerwache Süd in Braunschweig. Die ersten Feuerwehrmänner rennen zu den Fahrzeugen und rüsten sich für den Einsatz aus. Braune lange Haare blitzen unter dem einem Einsatzhelm hervor. Doch obwohl es ist im ersten Augenblick nicht so scheint, ist es eine Frau, die sich bereitstellt.

Wenn Anna Kettenbach sich für einen Einsatz vorbereitet, trägt sie dieselbe Schutzausrüstung wie ihre männlichen Kollegen. Doch mit ihrer Position als Berufsfeuerwehrfrau im mittleren Dienst ist Sie nur eine von vier Frauen auf der Süd-Wache der Braunschweiger Berufsfeuerwehr.

Zur Berufsfeuerwehr ist Anna erst über Umwege gestoßen. Eigentlich kommt die 31-Jährige aus Rheinlandpfalz, jetzt ist sie in einem 1000-Einwohner-Dörfchen in Peine wohnhaft. Nach ihrem Realschulabschluss folgten erst ein Jahr Sozialpflege in einem Altenheim und eine Rettungsassistenten-Ausbildung in Hannover. Das Deutsche Rote Kreuz in Peine, Bremerhaven, Gifhorn und die Malteser in Braunschweig schließen sich an ihre Laufbahn an. Bis sie 2016 nach geraumer Zeit als Brandmeisterin von Salzgitter nach Braunschweig wechselt.

Der Rettungsdienst ist eine Einbahnstraße

Durch die enge Zusammenarbeit mit den Feuerwehren in Peine und Braunschweig entdeckt Anna ihr technisches Interesse an den Einsätzen. „Und dann habe ich mich immer mehr für die andere Seite interessiert – Wie sieht das aus, wenn du die Tür öffnest […] und den Rettungsdienst-Part auslässt?“ Die Dienste als Rettungsassistentin werden langsam zum Alltag und Anna möchte nicht lebenslang auf einem Rettungswagen positioniert sein. Das weite Aufgabenspektrum der Feuerwehr und die Sicherheit im Beamtenverhältnis sind Ausgangspunkte ihrer Entscheidung. Unvorbereitet bewirbt Sie sich in Wolfsburg – vergebens. Anfangs ist es nur eine Bewerbung wie jede andere. Doch dann beendet Anna das Rauchen und bereitet sich ein Jahr lang mit ihrer Freundin Kim auf die Eistellungstests vor. Sie beschreibt es als ihren emotionalsten Moment, als sie mit Tränen in den Augen verkünden kann: Sie hat es geschafft!

Die Wachabteilung als Familie

So ehrgeizig wie sie für ihren Wunsch gekämpft hat, so handelt sie auch in ihrem Beruf. Sie betitelt sich gar als „zu bescheiden“. „Das ist mein Beruf und ich mache das sehr gerne, aber ich erwarte nicht, dass jemand von mir denkt, dass ich eine Heldin bin. Es ist fast schon unangenehm, wenn man hört: Oh, eine Feuerwehrfrau.“ Und so sehen Anna auch ihre Kollegen. Malte Röstel, ebenfalls Brandmeister auf der Süd-Wache, beschreibt sie als konsequent und zielstrebig. „Sie arbeitet strikt nach Lehrbuch und kann in stressigen Situationen einen klaren Gedanken fassen.“ Auf die Frage, welche Besonderheiten der Beruf mit sich bringt, antwortet Anna mit den Worten: „die Wachabteilung“.

Die Kollegen sind nicht nur irgendwelche Arbeitskameraden, sondern wie eine Familie. Man schaut zusammen Fußball, arbeitet im Team und verbringt die freie Zeit miteinander.

Doch „Kollegen“ bedeutet auch gleichzeitig: hauptsächlich Männer. Von mindestens 19 Männern ist sie eine von vier Frauen auf der Süd-Wache der Berufsfeuerwehr Braunschweig. Und eine von 83 in ganz Niedersachsen (Stand 2016). Dabei liegt Niedersachsen mit fast 12 Prozent weit über dem Durchschnitt. „Eine Berufswahl in Richtung Feuerwehr sei offenbar für viele Mädchen immer noch keine Option“, berichtet das Feuerwehr-Magazin Anfang Dezember. Dies bemerkt auch die junge Brandmeisteranwärterin, als sie 2014 ihre Ausbildung beginnt – denn sie ist die einzige Frau. Sie glaubt, es läge ganz klar an der harten Vorbereitung für die Einstellungstests und an den Eltern. „Eine Kollegin hat auch mal erzählt, dass ihre Eltern das nicht wollten, für sie.“ So hat Anna zwar ein geringes Verhältnis zu ihren Eltern, trotzdem wurde sie immer unterstützt.

Und Unterstützung ist ebenfalls ein wichtiger Bestandteil auf der Wachabteilung. Anfangs war es schon ein komisches Gefühl für sie, als einzige Frau die Wache zu betreten. „Am ersten Tag war die Begrüßung und man schaut erstmal, wer sitzt da jetzt überhaupt neben mir […]. Und da habe ich schon festgestellt – ok, ich bin die einzige Frau.“ Weiterhin wird sie von den Männern auch anders behandelt, aber in ihren Augen ist es ein Geben und Nehmen. Deswegen erwartet sie auch von ihren Kollegen, dass diese die gleiche Leistung bringen. „Körperliche Anforderungen im Feuerwehrdienst sind schon relativ hoch. Frauen müssen die gleichen Anforderungen wie Männer erfüllen, daher auch die niedrige Frauenquote bei der BF“, erklärt Malte. Trotzdem möchte Anna nicht bevorzugt werden, schon gar nicht bei Einsätzen. „Im Feuer ist jeder gleich!“ Und dass sie eine verletzte Person aus einem brennenden Haus ziehen könnte, beantwortet sie grinsend mit einem „Ja“. Denn es gäbe neben der eigenen Kraft auch noch weitere Hilfsmittel.

Also als Frau zur Berufsfeuerwehr?

Auch wenn Anna die Tätigkeit als Feuerwehrfrau*Mann aufgrund der Anzahl der Männer als „Männerberuf“ betiteln würde, empfiehlt sie jeder Frau, zur Feuerwehr zu gehen. Nichtsdestotrotz ist sie der Meinung, dass sich jeder über die berufliche Laufbahn im Klaren sein sollte. „Es könnte sonst vielleicht in die falsche Richtung gehen, weil es schon viel gibt, was auf einen zukommt“. Denn die Ausbildung ist hart, und zu viel für das Geld, was die Helden des Alltags verdienen. Brennende Müllcontainer, Wasserschäden oder Ölspuren seien erst der Anfang einer langen Kette an gefährlichen Einsätzen.

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