Das weltweite Musik-Phänomen K-Pop

„Oppan Gangnam Style“ – zu diesen Worten tanzte 2012 die ganze Welt. Der Song „Gangnam Style“ von PSY wurde innerhalb kürzester Zeit zu einem weltweiten Erfolg und ebnete damit den Weg für Koreanischen Pop in die westliche Welt. Doch was genau verbirgt sich hinter koreanischem Pop und dessen Erfolg?

Koreanischer Pop, besser bekannt als K-Pop, bezeichnet eine Musikrichtung aus Südkorea. Wie es der Name schon verrät, werden die Lieder hauptsächlich auf Koreanisch gesungen. Um allerdings das internationale Publikum anzusprechen, fügen viele der KünstlerI*innen Texte auf Englisch ein. Songs, die von koreanischen KünstlerInnen komplett auf Englisch von aufgenommen werden, gehören jedoch nicht zum K-Pop. Die zwei bekanntesten K-Pop Bands sind BTS und Blackpink. Beide Gruppen haben schon mit bekannten amerikanischen MusikerInnen zusammengearbeitet. Blackpink trat 2019 als erster K-Pop Act auf dem Coachella Festival in den USA auf und produzierte Songs mit Weltstars wie Lady Gaga und Selena Gomez.

Wie sich der K-Pop entwickelt und in der ganzen Welt verbreitet hat

In den frühen 1990er Jahren fokussierte sich die Popmusik in Südkorea auf Liebesballaden, allerdings stand die Musik damals unter strenger Zensur der Regierung. Die Jugendlichen wollten zu dieser Zeit andere Musikstile entdecken und ließen sich von der Musik in Amerika inspirieren. Im Jahr 1992 wurde erstmals Rap in die zu dieser Zeit auf dem Markt veröffentlichte Musik integriert. Das Trio Seo Taiji and Boys revolutionierte durch diese Integration von amerikanischen Einflüssen die Musik und die Mode in Südkorea. Sie gelten als die Pioniere des heutigen K-Pops. Jedoch löste sich das Trio im Jahr 1996 auf und gingen getrennte Wege. Seo Taiji versuchte sich an einer Solokarriere, während die anderen beiden Mitglieder Lee Juno und Yang Hyunsuk jeweils eigene Plattenlabels gründeten. Yangs Label „YG Entertainment“ ist bis heute eines der größten und erfolgreichsten Labels in Südkorea. Anfang der 2000er Jahre verbreitete sich K-Pop als Bestandteil der koreanischen Welle, auch Hallyu genannt, im asiatischen Raum. Hallyu bezeichnet den Export koreanischer Popkultur, also neben K-Pop auch koreanische Fernsehdramen, Filme, Literatur und Mode. Südkoreas Export von Popkultur führte zu einem großen wirtschaftlichen Erfolg. Die Industrie wuchs von acht Millionen Euro im Jahr 1999 auf 38 Millionen Euro im Jahr 2003. Mit der weiteren Ausbreitung von Hallyu in den Nahen Osten und Südamerika, wuchs auch das Interesse an K-Pop und der Kultur weiter. Mit der Gründung und dem Aufstieg der Videoplattform YouTube im Jahr 2005, erreicht die koreanische Welle schlussendlich auch Nordamerika und Europa.

K-Pop lebt durch Fankultur

Das Internet ist das Medium der K-Pop Fans. Egal auf welchem sozialen Netzwerk, überall stößt man auf begeisterte AnhängerInnen. Der Fan-Service ist überlebenswichtig für K-Pop Gruppen, dies haben auch ihre Plattenlables erkannt. Alle großen Bands sind auf den sozialen Netzwerken vertreten und auch regelmäßig aktiv. K-Pop KünstlerInnen liefern ihren SupporterInnen sehr viele Inhalte, um diese Verbindung zwischen Fan und Band zu erhalten. Viele bieten daher die Option an für ein Konzert, neben dem Eintrittsticket, auch ein Ticket für ein Meet and Greet zu erwerben. So kann ein persönliches Treffen mit den LieblingskünstlernInnen stattfinden. Außerdem werden die Musikalben nicht nur als einfache CD verkauft, sondern besitzen neben den CDs weitere kleine Extras, wie zum Beispiel Sticker und Fotos der Band.

Auf YouTube werden neben den Musikvideos extra Sequenzen von den jeweiligen Choreographien veröffentlicht. Dies ermöglicht Fans oder Tanzbegeisterten das Lernen der teils aufwendigen Choreographien und wird auch als K-Pop Cover Dance bezeichnet. In Deutschland gibt es sogar bereits K-Pop Cover Dance Kurse in Tanzschulen. Alena Hänsel ist Tanzlehrerin aus Hannover und unterrichtet dort einmal die Woche Cover Dance zu K-Pop Songs.

 

Was K-Pop von westlicher Popmusik unterscheidet

K-Pop unterscheidet sich in mehreren Bereichen zur westlichen Popmusik. Grundsätzlich findet ein Wechsel von mehreren Genres in der Musik statt. K-Pop ist somit nicht  nur „reine“ Popmusik. Oftmals werden Rock, Hip-Hop, R&B, Balladen und Electronic Elemente integriert. In Korea wird die Musikrichtung nicht als K-Pop, sondern als Idol-Music bezeichnet. Das hängt unter anderem damit zusammen, dass K-Pop Stars dort als Idole gelten. Dafür wird bei den Musikgruppen darauf geachtet, dass sie nicht nur gut klingen, sondern das Publikum auch visuell ansprechen. Die KünstlerInnen entsprechen dem koreanischen Schönheitsideal und vertreten Perfektion. K-Pop ist facettenreicher als die westliche Popmusik. In der westlichen Popmusik legt sich eine Künstlerin oder ein Künstler oft auf einen Stil fest und bleibt normalerweise bei diesem. K-Pop arbeitet deutlich mehr mit unterschiedlichen Konzepten für ihre Gruppen und Songs. Die beliebtesten und meistgenutzten Konzepte sind Balladen, „Cute“, „Sexy“, Dance und Rap.  Dabei ist kein Konzept auf das Geschlecht festgelegt. Zu den jeweiligen Songs kommen aufwendig und gut produzierte Musikvideos, mit beeindruckenden Choreographien. Alles ist aufeinander abgestimmt. Ein weiterer Aspekt des Konzepts einer K-Pop Band ist der Name. Bandnamen werden häufig abgekürzt, wie zum Beispiel BTS. Es sind  englische Namen, da K-Pop hauptsächlich auf internationale Märkte ausgerichtet wird. Im Fall von BTS lautet der ausgeschriebene Name Bangtan Boys. Auch die Namen der Gruppenmitglieder werden häufig in englische Namen geändert.

Ein wichtiger Bestandteil der K-Pop Szene sind die sogenannten Entertainment-Unternehmen, die Plattenlabels. Ihre Aufgabe ist es, Talente zu finden, welche bei ihnen ausgebildet werden. Im Gegensatz zu anderen Popmusikern, durchlaufen K-Pop KünstlerInnen eine bis zu zwei Jahre lange Ausbildung, in der ihre Gesangs- und Tanzfähigkeiten trainiert werden. Danach kann es allerdings erneut bis zu drei Jahre dauern, bis die Talente auf dem Musikmarkt durchstarten. Die Unternehmen kombinieren ihre Talente in verschiedenen Zusammenstellungen, um so die bestmögliche Gruppe zu finden. K-Pop Bands funktionieren nach einem Rollenprinzip. Jedes Mitglied erfüllt eine bestimmte Rolle. So gibt es zum Beispiel den/die Anführer/in (Leader), Rapper/in und den/die optisch Hübschesten/e. 

Zu den größten Unternehmen in Südkorea zählen YG Entertainment, zu dem unter anderem die Gruppe Blackpink gehört, SM Entertainment und JYP Entertainment. Die Spitze der erfolgreichsten Unternehmen wird jedoch von Big Hit Entertainment angeführt. Big Hit Entertainment ist das Label der Band BTS. Die Labels sind gleichzeitig das Management der KünstlerInnen und versorgen die Idole unter anderem mit weiteren Jobs in der Entertainment Branche, wie zum Beispiel Schauspieljobs.

Gute Zukunftsaussichten für K-Pop

K-Pop ist ein großer Erfolg für die koreanische Wirtschaft. Die Musikindustrie hat bereits einen Wert von fünf Milliarden US-Dollar, allein BTS trägt über 3,6 Milliarden US-Dollar dazu bei. Den Erfolg der K-Pop KünstlerInnen haben auch andere Unternehmen erkannt und nutzen die Popularität für ihre Produktwerbung. Ein mittlerweile bekanntes Beispiel dafür ist Samsung, die mithilfe von BTS ihr neues Smartphone, das Galaxy S20 FE, vermarkten. Der Hype um K-Pop nimmt also nicht ab, er wächst viel mehr. Auch in Europa scheint Hallyu zu wachsen und das Interesse an K-Pop steigt. Songs wie „Dynamite“ von BTS werden hier im Radio gespielt und Konzerte sind nach Minuten ausverkauft. K-Pop ist ein fester und erfolgreicher Bestandteil der Musikindustrie und für viele Fans nicht nur Musik, sondern eine Lebenseinstellung.

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