Der Blog als Karriereförderer?

Microblogs, Fotoblogs und Communityblogs – Blogs gibt es im Internet zuhauf. Das bedeutet harte Konkurrenz. Ist es trotzdem noch möglich, den eigenen Blog als Start in eine erfolgreiche Karriere zu verwenden? Die Chancen und Risiken.

„Irgendwas mit Medien“ – bei der Studienauswahl ist dieser Satz immer häufiger zu hören. Immer mehr Medienstudiengänge entstehen. Doch wie kann sich der einzelne Student von der „Ich will etwas mit Medien studieren“-Masse abgrenzen? Kann er das überhaupt?

Hier ein Klick, da ein Klick und die Internetsurfer, in ihren Schreibtischstühlen sitzend oder mit dem Handy in der Weltgeschichte umherlaufend, gelangen auf einen Blog. Laut einer Definition der Gründerszene Lexikon ist ein Blog „eine Art öffentliches Online-Tagebuch oder Journal in chronologisch gestalteter Reihenfolge.“ Olaf Hoffjann, Professor an der Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften, weiß: „Blogs sind älter als soziale Netzwerke wie Facebook. Daher zählen sie zu den ‚Dinos‘ unter den sozialen Medien.“

Wichtig: Blogs sind zur Vernetzung da

Fakt ist, dass immer mehr Blogs in den Weiten des Internets existieren und bei den richtigen Schlagworten auftauchen – ganz oben in der Google-Suchleiste oder in den Vorschlägen auf Instagram. „Ja, Blogs haben sich etabliert, denn sie werden zitiert. In bestimmten Branchen sind die Blogger längst eine Instanz und werden von den Unternehmen und Konzernen ernst genommen“, verrät Kommunikationsberater Kai Heddergott. Weiter meint er: „Ich kann der Aussage ‚Blog als Karriereförderer‘ zustimmen. Heute geht es bei der Vermarktung der eigenen Person darum, gefunden zu werden.“ Vermarktung: Check.

Die zwanzigjährige Victoria Hein, Medienkommunikation-Studentin an der Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften, glaubt ebenfalls an den Blog als Karriereförderer. Auch sie postet regelmäßig Beiträge auf YouTube: „Ich glaube, es kommt auf den Content und die Reichweite an. Wenn sich viele Menschen dafür interessieren, was du schreibst oder filmst, kann ein Blog durchaus eine Karriere sein.“ Reichweite und Zielgruppenorientierung: Check.

Allerdings gibt es auch Schattenseiten: „Die größte Gefahr liegt darin, den Blog nur für sich selbst zu betreiben und zu schreiben. Ein Blog ist ein Vernetzungsinstrument. Sich nicht zu öffnen für die Feedbacks der eigenen Leser, wäre ein großer Fehler“, warnt Heddergott. Genau das Feedback ist es, was die YouTuberin Hein teilweise vermisst. Zumal sie doch so offen für diese wichtige Rückkopplung ihres Publikums sei: „Ich stecke Zeit und Ideen in meine Videos. Es macht mich traurig, wenn sich nicht viele Leute meine Clips ansehen.“ Auch die ehemalige Lifestyle-Bloggerin Linda Taubert (18) musste die Schattenseiten und die Anonymität des Internets spüren: „Manche Leute suchen nur nach Plattformen, wo sie die Freude einer Person an etwas kaputt machen können.“ Doch können solche Erfahrungen nicht das Selbstbewusstsein stärken und die Tür für Angreifer schließen?

Hoffjann motiviert: „Man sollte sich von den Risiken nicht abschrecken lassen. Wer gewissenhaft recherchiert, schreibt und redigiert, vor allem aber eine klare Idee hat, was und wen er mit seinem Blog erreichen will, kann wenig falsch machen.“ Heddergott schwingt die Start-Fahne: „Ein Blog als vielfältige digital-journalistische Spielwiese mit ernstem Zweck, ohne Bindung an Verlag oder Redaktion – was will man mehr als Übungsfeld?“

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