“Der NC ruiniert mir mein Leben”

Viele Studiengänge sind heutzutage mit einem Numerus Clausus belegt. Schuld ist meist die hohe Nachfrage. Das sorgt bei vielen Abiturienten oft für Kopfzerbrechen, weil der favorisierte Studiengang dadurch schnell in weite Ferne rücken kann.

Nach dem Abitur heißt es für viele Jugendliche im Sommer „Studieren“! Während sich einige über ihre Zukunft noch unsicher sind und lieber bei strahlender Sonne durch Australien reisen, haben viele schon eine genaue Vorstellung von ihrer Zukunft und wollen diesen Traum durch ein Studium erfüllen. So ist es auch mir ergangen. Es hatte mich viel Zeit und Nerven gekostet, herauszufinden, was ich in meiner Zukunft beruflich machen möchte. Langsam bildete sich ein Traum. Dieser drohte jedoch schnell wieder zu platzen. Und damit stehe ich nicht allein da. Schuld daran ist der berühmt berüchtigte Numerus Clausus.

Denn die Hörsäle sind überfüllt, Hochschulen und Universitäten überfordert. Da die Kapazitäten in den meisten Fällen nicht für alle Studienbewerber reichen, wird − mit wenigen Ausnahmen − nach dem NC-Verfahren aussortiert. Die Bewerber und Bewerberinnen mit dem besten Notenschnitt im Abitur bekommen so den Studienplatz. Und zwar nicht mehr nur in traditionellen Studiengängen wie Medizin, Jura oder Psychologie. Nein, auch für Journalismus, PR oder Kommunikationswissenschaften gibt es einen hohen NC. Da komme ich mit einem relativ guten „Zweier-Abitur“ nicht sehr weit. Bei der Studienplatzvergabe nach diesem Verfahren sollen die Plätze gerecht nach Leistung vergeben werden. Doch dies ist alles andere als fair. Ganz im Gegenteil.

Die Fairness scheitert hier schon allein am föderalen Bildungssystem in Deutschland. Die Oberstufe und die Abiturklausuren könnten in den einzelnen Bundesländern manchmal unterschiedlicher kaum sein. Egal ob die Anzahl der Leistungskurse, der Schwierigkeitsgrad der Abiturklausuren oder die Bewertungen in der Oberstufe. Kann mein niedersächsisches Abitur überhaupt mit einem aus Nordrhein-Westfalen verglichen werden? Wohl kaum! Bei so vielen Unterschieden ist es nicht fair, so die Leistung zu vergleichen und die Studienplätze nach diesem Verfahren zu vergeben.

Hinzu kommt, dass der Abiturschnitt durch Noten heruntergezogen wird, die mit dem Studium rein gar nichts zu tun haben. Oder was haben bitte meine Noten in Biologie und Chemie damit zu tun, ob ich eine gute Journalistin oder PR-Managerin wäre? Es scheint, als wären die besonderen Fähigkeiten und Interessen der jungen Menschen den Universitäten vollkommen egal. Kein Wunder, dass sich viele, so auch ich, ungerecht behandelt fühlen. Und das nicht erst seit gestern. Schon in den 70er Jahren gab es eine Klage gegen das NC-Verfahren. Geändert wurde jedoch nichts.

Und wenn es dann heißt, es gebe noch andere Möglichkeiten, sein Traumstudiengang zu belegen, ist dies in den meisten Fällen mit Unmengen an Geld oder einem immensen Zeitaufwand verbunden. Als sei es selbstverständlich, mehrere zehntausend Euro für das Studium zu bezahlen. Im Lotto gewonnen habe ich schließlich nicht. Dass die Motivation nach mehreren Wartesemestern oder deprimierenden Bewerbungen zudem oftmals nicht mehr so groß ist, wie sie zunächst mal war, wundert mich auch nicht.

„Du studierst doch jetzt an einer Hochschule deinen Wunschstudiengang.“, könnte man mir nun entgegnen. Und ja, das stimmt und mir gefällt es. Jedoch hätte ich am liebsten in einer Stadt studiert, die näher an meiner Heimat und bei meiner Familie liegt. Gerne auch eine Großstadt. Diese Wünsche wurden mir und vielen anderen jungen Menschen durch das NC-Verfahren genommen.

Es wäre doch schon mal ein Anfang, zumindest in der Oberstufe, bundesweit dasselbe Schulsystem zu vertreten. So könnten die Leistungen immerhin ansatzweise verglichen werden. Die aber wohl beste Lösung wäre, dass sich die Universitäten und Hochschulen darum bemühen, die angehenden Studenten auch nach ihren besonderen Fähigkeiten und vor allem Interessen auszuwählen. Ganz individuell für die einzelnen Studiengänge. So haben alle eine gerechte Chance auf das Studium, welches sie glücklich macht. Denn egal wie kosten- oder zeitaufwendig es sein mag, die Zukunft der jungen Menschen ist davon abhängig.

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