Der Weg in den Himmel

Der Mount Everest ist die größte Herausforderung, der sich ein Bergsteiger stellen kann. Obwohl es lebensgefährlich ist, erreichen pro Saison mehr als 9.000 Menschen den Gipfel. Geführt werden sie von vor Ort lebenden Sherpas, die aber kaum etwas vom Bergsteigertourismus haben.

18. April 2014, es ist ein außergewöhnlich schöner Morgen am Mount Everest, dem höchsten Berg der Welt. Keine Wolke befindet sich am Himmel, die Sonne strahlt. Um 6:30 Uhr bewegen sich 20 Sherpas durch den „Khumbu Icefall“, der gefährlichste Teil auf dem Weg zum Gipfel. Das Eis ist ständig in Bewegung, als ob der Berg atmet. Die Männer befestigen Seile, bereiten den Aufstieg für ihre Klienten vor. Doch dann, ganz plötzlich, ertönt ein unfassbar lautes Knacken, ein Knall. Ein riesiger Eisblock hat sich gelöst und fällt über der Gruppe in die Tiefe. Kaji Sherpa, einer von vier Überlebenden berichtet, er habe seine Freunde schreien hören, vereinzelt guckten Hände und Beine aus dem Schnee. Vier Stunden vergingen, bis er geborgen wurde. Besteigen wird er Mount Everest nie wieder. Dieser sonnige Tag, wurde zum Schlimmsten, den es in der Geschichte des Everest je gab. 16 Sherpa haben ihr Leben verloren.

18. April 2014, es ist ein außergewöhnlich schöner Morgen am Mount Everest, dem höchsten Berg der Welt. Keine Wolke befindet sich am Himmel, die Sonne strahlt. Um 6:30 Uhr bewegen sich 20 Sherpas durch den „Khumbu Icefall“, der gefährlichste Teil auf dem Weg zum Gipfel. Das Eis ist ständig in Bewegung, als ob der Berg atmet. Die Männer befestigen Seile, bereiten den Aufstieg für ihre Klienten vor. Doch dann, ganz plötzlich, ertönt ein unfassbar lautes Knacken, ein Knall. Ein riesiger Eisblock hat sich gelöst und fällt über der Gruppe in die Tiefe. Kaji Sherpa, einer von vier Überlebenden berichtet, er habe seine Freunde schreien hören, vereinzelt guckten Hände und Beine aus dem Schnee. Vier Stunden vergingen, bis er geborgen wurde. Besteigen wird er Mount Everest nie wieder. Dieser sonnige Tag, wurde zum Schlimmsten, den es in der Geschichte des Everest je gab. 16 Sherpa haben ihr Leben verloren.

Doch solch ein Unglück hält die Menschen nicht davon ab den 8.848 Meter hohen Gipfel zu erklimmen. Die Faszination ist zu groß. Laut der Himalayan Database wurde die Spitze des Berges, bis Ende der Saison 2018 9.149 Mal erreicht. Menschen aus der ganzen Welt riskieren jährlich ihr Leben und das Leben der einheimischen Sherpas, um dieses Ziel zu erreichen. Adrenalin, Ehre und Annerkennung.

Sherpa bedeutet nicht Träger oder Guide zu sein, von diesen gibt es viele in Nepal. Sherpa sind eine ethnische Gruppe aus der Everestregion, die sich über Jahrtausende lange Evolution perfekt an die Höhe im Himalaya angepasst haben. Sie sind wahre Superhelden. Aufgrund größerer Lungen können sie mehr Sauerstoff speichern als herkömmliche Menschen. Selbst wenn ein Sherpa nicht im Himalaya sondern in den Niederlanden aufwächst, weist er dieses Merkmal auf.

Die Arbeit der Sherpa beginnt jedes Frühjahr aufs Neue. Ende März treffen die Klienten in Kathmandu ein und werden durch eine Agentur auf die anstehende Expeditionsreise vorbereitet. Dafür zahlen sie gerne 50.000 – 100.000 Euro. Die Wanderung beginnt und das erste Ziel führt sie zum Everest- Basecamp. Es liegt knapp 3.500 Meter unterhalb des Gipfels. Durch diese elf- tägige Wanderung, beginnen sich die Touristen zu akklimatisieren. Dies ist unausweichlich, um nicht an der Höhenkrankheit zu erkranken, welche zum Tod führen kann. Währenddessen arbeiten die Sherpas schon am Everest, sie sind ihren Klienten ständig einen Schritt voraus. Seile werden befestigt, Leitern angebracht und repariert, Müll wird entsorgt. Die Route zum Gipfel wird perfekt vorbereitet und abgegangen, bevor die Touristen überhaupt da sind.

„Ich habe Mount Everest 21 Mal erklommen, aber wünsche es niemandem.“ Diese Worte stammen von Apa Sherpa. Er war jahrelang Bergführer am Everest. Oder wie die Einheimischen ihn nennen Chomolungma, Göttin- Mutter der Erde. Als er 12 Jahre alt war, starb sein Vater am Everest. Es gab keine Zeit mehr, in die Schule zu gehen. Er musste arbeiten, Geld für seine Mutter und sich verdienen. Dieses Schicksal erleiden viele Kinder in der Region. Zuerst wurde er einfacher Lastenträger. Je mehr man tragen kann, desto mehr Geld verdient man, erklärt Apa Sherpa in einem Interview. Es ist ganz normal, bei diesem Job mehr als sein eigenes Körpergewicht zu tragen. Später arbeitete er auch bei Everest-Expeditionen, es ist lukrativer, aber auch gefährlicher. Zuerst als Träger, schließlich als Guide.

Der Aufstieg durch die Todeszone zum Gipfel dauert circa fünf Tage. Nun beginnt der zweite Teil ihrer Arbeit. Die erfahrenen Bergsteiger tragen die Nahrung, das Wasser und den Sauerstoff ihrer Klienten. Sie müssen taktisch kluge Entscheidungen treffen, den Sauerstoff richtig einteilen und den Touristen teilweise auch erklären, wie geklettert wird. Am Abend bereiten sie die Zelte vor und werden zu Köchen. Die Arbeit ist kräftezehrend. Laut der Washington Post ist die Arbeit der Sherpa lebensgefährlicher als die eines US- Soldaten im Irakkrieg.


Keine Bildung. Keine Wahl. Apa Sherpa wollte immer Arzt werden. Als Kind war dies sein Traum, doch er hatte keine Möglichkeit ihn in die Wirklichkeit umzusetzen. Er musste als Bergsteiger arbeiten um seine Familie zu ernähren. Es ist ein Teufelskreis, die Touristen brauchen die Sherpa und diese sind auf Touristen angewiesen. Um dies zu beenden, gründete Apa Sherpa die „Apa Sherpa Foundation“. Durch Spenden werden Lehrer finanziert, die den Kindern aus der Umgebung Bildung ermöglichen. Die jungen Sherpa sollen die Möglichkeit haben, ihr Leben selber in die Hand zu nehmen und den Beruf auszuüben, den sie wollen.

Im Jahr 2018 hat das Ministerium für Tourismus in Nepal, durch die Everestbesteigungen 5.2 Millionen Dollar verdient. Die Industrie liegt auf dem Rücken der Sherpa. Von dem Geld sehen sie selber nur einen Bruchteil. Je nach Aufgabenfeld verdient ein Sherpa am Ende der Saison 4.500 Euro bis 7.000 Euro, eine Menge Geld für die erfahrenen Bergsteiger, falls sie nicht ihr Leben verlieren. Ob und wie die nepalesische Regierung diesen Konflikt lösen wird, ist noch unklar. Doch eins ist sicher. Solange die Sherpa nicht genügend Bildung erlangen, um selber über ihr Leben entscheiden zu können, wird keine Besserung der Umstände in Sicht sein. Der Teufelskreis dreht sich immer weiter, so wie die Göttin der Erde – Chomolungma weiter atmet und das nächste Unglück geschehen wird. 

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