Der Weg zur digitalen Schule

Die Ansprüche an Schulen sind gestiegen. Sie sollen Schülerinnen und Schülern den Umgang mit Medien beibringen und diese auf eine digitale Berufswelt vorbereiten. Häufig scheitert es aber an fehlender oder mangelhafter Ausstattung. Der DigitalPakt Schule soll das ändern und die Schulen mithilfe einer Finanzspritze fit für die digitale Zukunft machen.

Der Schlüssel zur sensibilisierten und richtigen Mediennutzung ist die Medienbildung. Diese ist Aufgabe der Schulen, setzt aber eine gewisse Ausstattung voraus. Um die benötigte moderne Technik auch finanziell zu ermöglichen, wurde im Mai 2019 der „DigitalPakt Schule“ geschaffen. Mit diesem wollen Bund und Länder für eine Chancengleichheit auf digitale Bildung sorgen. Der Fokus liegt dabei auf der Versorgung und Verbesserung digitaler Infrastrukturen und digitaler Ausstattung an Schulen. Insgesamt stellt der Bund im Rahmen des Digitalpakts knapp fünf Milliarden Euro zur Verfügung. Wie genau die Mittel aufgeteilt werden, legt jedes Land in seiner Förderbekanntmachung fest.

In Niedersachsen trat diese Richtlinie im August 2019 in Kraft. Förderanträge können seitdem bei der Niedersächsischen Landesschulbehörde gestellt werden. Bis Mai 2023 sind die Fördermittel für Schulen reserviert. Das Beantragen der Gelder muss nicht auf einmal, sondern kann auch in mehreren Schritten innerhalb dieses Zeitraumes geschehen.

500 Euro pro Schüler

Errechnet wird der jeweilige Anspruch einer Schule aus zwei Komponenten: Den einen Teil bildet der sogenannte Schulsockelbetrag. Ab einer Größe von sechzig Schülerinnen und Schülern steht einer Schule ein Sockelbetrag in Höhe von 30.000 Euro zu. Sollten weniger als sechzig Schülerinnen und Schüler eine Schule besuchen, erhält die Schule pro Schüler 500 Euro. Bei der zweiten Komponente handelt es sich um den Kopfbetrag. Dieser ist gegliedert nach Schulstufen bzw. Schulformen und liegt bei öffentlichen Schulen zum Beispiel bei 445 Euro. Hinzu kommt, dass je nach Schulform ein anderer Faktor verwendet wird. So wird für eine Oberschule der volle Satz angerechnet, für Grundschulen gilt der Faktor 0,5.

Um diese Gelder zu erhalten, muss ein auf die Schule zugeschnittenes Gesamtkonzept eingereicht werden. Insgesamt stehen dem Land Niedersachsen knapp 522 Millionen Euro zur Verfügung. Diese können aber nicht beliebig eingesetzt werden. Der Digitalpakt soll grundsätzlich nicht als Förderprogramm für mobile Endgeräte gesehen werden. Vielmehr liegt der Fokus auf der digitalen Infrastruktur. Förderfähig sind insbesondere Vorhaben, die die digitale Vernetzung auf dem Schulgelände und in den Gebäuden aufbauen und verbessern sollen. Hinzu kommen schulisches WLAN, digitale Lehr-/Lern-Infrastrukturen wie Cloud-Lösungen oder Lernplattformen, bestimmte Anzeige- und Interaktionsgeräte sowie digitale Arbeitsgeräte. Dazu gehören beispielweise interaktive Tafeln. Erst wenn diese Punkte zur notwendigen Infrastruktur erfüllt sind, tritt der Ausnahmefall ein und es dürfen mobile Endgeräte beantragt werden. Diese setzen zudem die entsprechende fachliche oder pädagogische Kompetenz der Lehrkräfte voraus.

Ein Blick in die Schulen

Da sich jede Schule auf einem anderen Stand der Digitalisierung befindet, fallen die erarbeiteten Konzepte sehr unterschiedlich aus. Welche Bereiche an der Elbmarschen-Schule Drochtersen im Landkreis Stade im Fokus stehen und wie weit digitale Hilfsmittel bereits eingesetzt werden, verrät der Realschulzweigleiter und Digitalisierungsbeauftragte Matthias Beck im folgenden Beitrag:

So ist auch bei der Elbmarschen-Schule geplant, grundsätzlich erst einmal den Schwerpunkt auf den Netzausbau zu legen. Das unterstreicht den Ansatz des Digitalpakts, die Gelder zunächst für die digitale Infrastruktur einzusetzen. Ist dieser Schritt getan, können weitere digitale Hilfsmittel angeschafft werden. Doch das stellt die Schulen häufig vor ein weiteres Problem. „Es nützt ja nichts, wenn man neue Technik anschafft und keiner kann nachher damit umgehen“, stellt der Realschulzweigleiter Matthias Beck fest. Die Zuwendungen aus dem Digitalpakt sollten also neben der Vernetzung der Schulen vor allem für Fortbildungen und Schulungen der Lehrkräfte eingesetzt werden. 

Und wie geht es nach dem Digitalpakt weiter?

Auf den ersten Blick wirken die verfügbaren Summen gewaltig. Jedoch sieht man am Beispiel der Elbmarschen-Schule, dass diese nur als Starthilfe nutzen. Dieser stehen voraussichtlich zwischen 140 und 460 Tausend Euro zur Verfügung. Selbst im Falle des oberen Betrages, wird das Geld nicht ausreichen. Das ausgearbeitete Digitalkonzept der Gesamtschule sieht nämlich allein als Anfangsinvestitionsvolumen rund eine halbe Million Euro vor.

Zudem stellt sich die Frage, wie es weiter geht, wenn die Gelder verteilt und beispielweise Geräte angeschafft wurden. Wer übernimmt die Wartung der Geräte, kümmert sich um Ersatzbeschaffungen und trägt die entstehenden Folgekosten? Lehrkräfte sind für diese technischen Bereiche nicht ausgebildet und müssten diese Aufgaben zusätzlich zu ihrem eigentlichen Lehrauftrag erledigen. Alternativ müsste also eine Informatikfachkraft eingestellt werden, wofür aber auch wieder Geld zur Verfügung stehen muss. Matthias Beck schlägt vor, Lehrkräfte bereits in ihrer Ausbildung auf moderne Techniken vorzubereiten und zu schulen. Auch Lüneburgs Oberbürgermeister Ulrich Mägde kritisiert diesen Punkt in einem Interview mit dem Politikjournal Rundblick. Laut ihm fallen die Aufgaben und Kosten nach der Anschubfinanzierung auf den Schulträger, also den Betreiber einer Schule. Er fordert, dass sich das Land beteiligt. Zur Entlastung solle eine Art zentrales Schul-Rechenzentrum auf Niedersachsenebene eingerichtet werden.

Trotz der genannten Problemfelder sollte der Digitalpakt als ein Schritt in die richtige Richtung gesehen werden. Neue Technologien entwickeln sich in einer rasenden Geschwindigkeit, sodass den Schulen noch ein langer, eigentlich endloser Weg zum optimalen digitalen Ausbau bevorsteht. Nichtsdestotrotz tut der Digitalpakt den Schulen aber etwas Gutes, da mit ihm in den schulischen Fortschritt und somit in die Zukunft der Schüler investiert wird.

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