Ein weiblicher James Bond dient keiner Frau

Die Filmindustrie lechzt nach Gleichberechtigung von Frauen und Männern. Und das ist gut so. Aber der Vorschlag einer Jane Bond 007 wäre das falsche Zeichen.

Gleichberechtigung. Ein Wort, viele Konzepte. Der Duden schlägt folgendes Satzbeispiel vor: „für die volle Gleichberechtigung von Frauen kämpfen.“ Dass Frauen in der gesamten Debatte eine große Rolle spielen, ist kein Geheimnis. Auch in der Filmindustrie kämpfen die weiblichen Kollegen für ihr Recht. Doch was genau bedeutet das praktisch? Zuletzt brachte sich die Schauspielerin Gillian Anderson als weibliche James Bond-Version ins Gespräch.

Die Message: Was Mann kann, kann Frau schon lange. Soweit so gut. Anstatt sich aber an erfolgreichen Filmen wie Salt, Lara Croft oder auch aktuell Captain Marvel zu orientieren, soll James Bond nun einfach durch Jane Bond ersetzt werden. Ob die Frau in Zeiten des Strebens nach Gleichberechtigung allerdings auf die Eigenschaften des kultigen 007 reduziert werden möchte, ist mehr als fraglich.

Die Fußstapfen, in die jede Frau treten würde, sind zu groß. Die platte Kopie einer Figur verkörpern zu müssen, die seit knapp 60 Jahren Generationen begeistert, führt mit hoher Wahrscheinlichkeit zur Enttäuschung. Und erreicht im Zweifelsfall genau das Gegenteil des Gewünschten: Kritiker der Gleichberechtigung sähen sich bestätigt, dass Frauen es nicht drauf haben.

Viel wirkungsvoller erscheint die Idee neuer Charaktere. Einer Agentin, die starke eigene Charakterzüge besitzen kann, ohne die Initialen J.B. tragen zu müssen. Weitblick ist in der gesamten Gleichberechtigungsdebatte das Wichtigste. Das Ungleichgewicht zwischen Frauen und Männern in der Filmbranche ist nur der kleine Ausschnitt eines weit größeren Problems. Man kommt weiter, wenn man an den richtigen Stellen ansetzt.

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