Feminismus in der katholischen Kirche

Immer mehr Frauen arbeiten in der katholischen Kirche, doch können sie nicht die gleichen Positionen erreichen wie ihre männlichen Kollegen. Aber die starren Strukturen kommen in Bewegung.

Priesterin, Bischöfin und Päpstin sind noch immer Fremdwörter im katholischen Sprachgebrauch. Die Struktur der katholischen Kirche baut zu großen Teilen nur auf Männern auf und das obwohl laut einer Kirchenstatistik von 2016 mehr als die Hälfte der Katholiken weiblich war.

Seit Mai 2015 existiert das Gesetz für die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern an Führungspositionen, auch Frauenquote genannt. Unternehmen, die voll mitbestimmungspflichtig und börsennotiert sind, müssen einen Frauenanteil von 30 Prozent in ihren Aufsichtsräten vorweisen. In der Kirche können Frauen auch Führungspositionen einnehmen, jedoch keine Stellen für Geweihte – diese sind Männern bis heute vorbehalten.

Dabei gehört die katholische Kirche zu den größten Arbeitgebern Deutschlands. Da jedoch in Deutschland Kirche und Staat getrennt werden, gilt die Frauenquote hier nicht. Als Nonne ist eine Frau zwar geweiht, werde jedoch eher als Mensch der unteren Klasse betrachtet, berichtet Rebecca Lögers da Silva. Nonnen dürfen nicht heiraten und leben meistens in Klöstern, in denen sie Aufgaben wie Kochen, Gartenpflege oder die Arbeit im Klosterladen nachgehen. Zusätzlich wird zusammen gebetet und gegessen, so ist der Tag im Kloster streng geregelt.

Rebecca Lögers da Silva ist sehr aktiv in der kirchenpolitischen Arbeit und hat sich vor einiger Zeit zu einem Vollstudium in der katholischen Theologie entschieden. Vorher hatte sie einen Zwei-Fach-Bachelor in Anglistik und katholischer Theologie angefangen, mit dem Ziel, Lehrerin zu werden. Nebenbei beschäftigt sie sich stark mit dem Feminismus und erzählt Campus38, wie sie die beiden Themen verbindet.

 

Die Tipps von Rebecca können von jeder Person umgesetzt werden, die sich für den Feminismus stark machen möchte und das nicht nur innerhalb der katholischen Kirche. Wichtig ist aber auch, die Sicht auf die Thematik von einem Vertreter der Kirche zu hören. Pfarrer und Dechant Joachim Kieslich aus Twistringen betont, dass die Kirche Frauen nicht aus Angst vor Neuem auszuschließen solle. Dadurch würde die Ignoranz im System Kirche etwas aufgebrochen werden. Zudem fände eine Annäherung an die evangelische Kirche statt, die der katholischen in dem Bereich weit voraus sei. Jeder Vertreter der Kirche müsse akzeptieren, dass der Feminismus der Gesellschaft gutgetan hat. Dadurch bekomme die Kirche ein emotionaleres Gesicht.

Weihe = Durch die Weihe bekommen Christen die Vollmacht im Namen Christi für die Kirche zu handeln.

Zölibat = Das Versprechen im Christentum, keine Ehe einzugehen.

Synodaler Weg = Strukturierte Debatte in der katholischen Kirche in Deutschland, die sich mit der Aufarbeitung sämtlicher Themen beschäftigt. 

Matriarchat = Gesellschaft, in der die Stellung der weiblichen Linie in allen Bereichen ausschlaggebend ist.

Dechant = höherer katholischer Geistlicher, Vorsteher eines Kirchenbezirks

cisgender = Das körperliche Geschlecht stimmt mit der Geschlechtsidentität überein.

Hinter den prunkvollen Bauten der katholischen Kirche stecken auch heute noch viele Traditionen. (Quelle: pexels)

Zunehmend ist zu beobachten, dass Menschen nicht mehr mit der Geschlechterrollenverteilung in der Kirche einverstanden sind. Aber auch innerhalb der Kirche gibt es Bewegungen wie den synodalen Weg in Deutschland. Dort wird sich seit 2019 mit Themen wie Macht und Gewaltenteilung der Kirche, Liebe und Leben in Sexualität und Partnerschaft, der heutigen priesterlichen Existenz und Frauen in Diensten und Ämtern der katholischen Kirche beschäftigt.

Doch der Papst erklärt noch Anfang 2020 in einer Ansprache, dass es vorerst keine Lockerung des Zölibats gebe und auch keine Weihe für Frauen eingeführt werde. Zudem formuliert Papst Franziskus, dass „Frauen ihren Beitrag zur Kirche auf ihre Weise leisten, indem sie die Kraft und Zärtlichkeit der Mutter Maria weitergeben“. Sie seien sehr wichtig für den Zusammenhalt der Kirche. Jedoch zeigte sich „Jesus Christus als Bräutigam in Gestalt eines Mannes“ und daher müsse die Tradition erhalten bleiben, dass nur Männer geweiht werden. Frauen hingegen nutzen „ihren weiblichen Stil“ weiterhin auf ihre Art. Diese Haltung von Papst Franziskus nimmt vielen Frauen die Hoffnung, welche durch den synodalen Weg aufgebaut wurde. Doch es ist wichtig, dass in mehr Bereichen der Kirche angefangen wird, darüber zu sprechen und dieses Thema immer wieder in den Vordergrund gestellt wird.

„Jahrhundertelang war klar, dass in der Kirche Männer leiten und damit unter sich bleiben. Das geht heute nicht mehr und das ist mittlerweile allen bewusst“, erklärt die Gleichstellungsbeauftragte Manuela Weinhardt-Franz aus dem Bistum Hildesheim. Solch große Prozesse wie der Feminismus brauchen Zeit und dessen müssen sich alle bewusst sein. Es sei ein sehr guter Schritt, mittlerweile immer mehr Frauen einzustellen und dies machen heute schon viele Bistümer. Auch der Vatikan verändere sich diesbezüglich. Denn auch dort haben Frauen die Chance, höhere Positionen einzunehmen. Allein, dass das Stabsreferat Gleichstellung im Bistum Hildesheim existiert, zeigt, dass die Kirche dieses Thema offensiv angeht. So arbeiten insgesamt immer mehr Mitarbeiterinnen in Leitungsstellen und die Bischöfe streben an, dass mindestens 33 Prozent der Führungspositionen mit Frauen besetzt werden, wobei in einigen Bereichen bereits ein deutlich höherer Anteil erreicht wurde.

Aber kommt auch bei jungen katholischen Mitgliedern an, dass die Kirche sich langsam weiterentwickelt? Felix Neumann, Anna Wehrenberg, Caroline Gajewicz-Peters und Julian Landwehr verraten, was sie von dem Thema Feminismus in der katholischen Kirche halten.

Die Durchsetzung des Feminismus wird uns noch sehr lange begleiten. Bei einer so großen konservativen Organisation können Veränderungen sehr lange dauern. Deutlich wird jedoch, dass aus allen Richtungen eine Veränderung gefordert wird und diese auch langsam in der Kirche Früchte trägt.

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