Fleisch ohne schlechtes Gewissen?

Künstlich erzeugtes Fleisch verspricht das Beste aus beiden Welten: Genuss ohne Nebenwirkungen. Schaut man genauer hin, ist das eine Illusion.

759 Millionen. So viele Tiere starben im Jahr 2020 allein in deutschen Schlachthöfen. Dabei verursacht Fleisch weltweit außerdem circa 20 Prozent der Treibhausgasemissionen. Und trotzdem will kaum jemand darauf verzichten. In-Vitro soll die Lösung sein. Fleisch, das im Labor gezüchtet wurde. Kann das wirklich funktionieren oder ist Fleischkonsum ohne schlechtes Gewissen nur eine Traumvorstellung?

Das In-Vitro-Fleisch wird komplett im Labor gezüchtet. Um das Fleisch herzustellen, benötigt man Stammzellen, die aus den Muskeln lebender Tiere entnommen werden. Diese müssen dafür nicht geschlachtet werden. Die Muskelzellen werden auf einen Nährboden transferiert und produzieren dann in einer sterilen Umgebung bei Körpertemperatur neues Gewebe. Allerdings hat dieser Prozess einen Haken: Zwar gibt es bereits einen pflanzlichen Nährboden aus Pilzen, jedoch wird häufiger ein Nährboden aus Kälberserum verwendet. Um Kälberserum herzustellen, wird eine tragende Kuh geschlachtet und der Fötus herausgeschnitten. Dem Fötus wird daraufhin Blut aus dem noch schlagenden Herzen entnommen. Ein qualvoller Tod. Tierleid verhindert man damit nicht. Auch wenn der Prozess bereits mit pflanzlichen Nährböden möglich ist, müssen weiterhin Kühe gehalten werden. Das bedeutet, dass Kühe trotz alledem auf engstem Raum zusammengepfercht und ihrer Freiheit beraubt werden.   Sie müssen leiden, damit wir einen Genuss von fünf Minuten erleben. Es ist eine Traumvorstellung, dass man Tiere ohne schlechtes Gewissen halten und essen kann.

In-Vitro-Fleisch benötigt perfekte Bedingungen. Dafür zuständig sind besonders die Inkubatoren. Diese schaff en eine sterile Umgebung und die richtige Temperatur. Allerdings lässt sich momentan nur Hackfleisch herstellen. Für ein Steak beispielsweise benötigt ein Konstrukt, an dem die Zellen wachsen können. Erst so erhält es die typische Struktur. Außerdem benötigt es dann Kanäle, die auch das Innere des Gewebes mit Nährstoff en versorgen. Zusätzlich muss der Muskel kontrahiert werden, um weiter Masse aufzubauen. Dafür gibt es noch keine Methode. Dieser ganze Prozess ist aufwendig und kostet Ressourcen.

Diese Ressourcen werden für 1kg Fleisch verbraucht. (Abb. Jennifer Ihmels)

ForscherInnen wie beispielsweise Mark Post, der Mitbegründer von NosaMeat, behaupten, ihr Fleisch wäre umweltfreundlicher. Doch wie nachhaltig ist das Laborfleisch tatsächlich? Momentan kostet die Herstellung von einem Kilogramm normalen Rindfleischs viele Ressourcen. Es ist unklar, wie viel das In-Vitro-Fleisch verbraucht, da es sich noch in der Testung befindet. Klar ist allerdings, dass auch das Laborfleisch diverse Nährstoffe verbraucht und außerdem viel Platz für die Inkubatoren benötigt, welche die perfekten Bedingungen schaffen. Aktuell geht man davon aus, dass das Laborfleisch besser als das Rindfleisch abschneidet. Schwein und Huhn sind jedoch immer noch nachhaltiger. Also birgt das Laborfleisch auch in diesem Aspekt keine nennenswerten Vorteile.

Wir wollen es uns mit Laborfleisch einfach machen, kennen die Problematik des Fleischkonsums, aber ändern nichts. Wir wollen kein schlechtes Gewissen mehr haben und  trotzdem auf nichts verzichten. Man kann allerdings nicht beides haben. Laborfleisch als Idee ist gut, aber die Umsetzung scheitert. Ist es denn so schwer auf Fleisch zu verzichten? Mittlerweile gibt es genug pflanzliche Fleisch Alternativen, die in der Herstellung deutlich einfacher und trotzdem lecker sind. Selbst Mark Post sagt, dass dies deutlich besser wäre. Schlussendlich hat man das Gefühl, die Menschen wollen ein Problem lösen, ohne wirklich das Problem zu lösen.

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