Geist und Körper etwas Gutes tun

Ruhige Momente sind im Alltag mittlerweile selten. Dem Stress kurz entfliehen und sich selbst einfach mal was Gutes tun. Meditieren soll dafür sorgen, dass man gleichzeitig seine Lebensqualität steigert und neue Energie schöpfen kann. Doch sind die Übungen wirklich so effizient?

Es ist ruhig, wir sind im Hier und Jetzt, genießen den Moment ohne Social Media, Netflix oder eine andere Ablenkung. Du spürst bewusst deinen Körper, deinen Atem und deinen Herzschlag. Das ist eine Situation, die wir nur noch selten erleben. Täglich werden wir mit Stress und Leistungsdruck konfrontiert. Wir arbeiten tagelang durch oder machen Überstunden. Ob auf der Arbeit, in der Schule oder im Studium. Eine gewisse Zeit lang können wir diesem Druck standhalten, aber auf Dauer macht sich der Stress bemerkbar. Er macht uns krank.

Die Sinne gehen auf Distanz zur Welt

Viele Menschen fiebern bereits am Mittwoch dem Wochenende entgegen, endlich dem Alltag entfliehen. Ob es die laute Musik im Club ist, die die Gedanken im Kopf übertönen oder die Flasche Alkohol, die unseren Körper und unsere Sinne betäubt, wir versuchen Abstand zu bekommen. Kurzfristig klingt dieser Gedanke wohl verlockend, dennoch sind diese Methoden wohl kaum das Beste für unseren Körper.

Ich habe meine Lösung gefunden, das Gedankenkarussell still stehen zu lassen. Der Schlüssel liegt in der Meditation.

Zuerst habe ich die Menschen, die meditieren, belächelt. Ich habe das ganze Thema nicht ernst genommen und wollte es auch nicht an mich heranlassen. Auf der anderen Seite habe ich mich aber immer mehr an das Tempo des Arbeitslebens und das einer Vollzeitstudentin angepasst und bin seelisch immer stärker aus dem Gelichgewicht geraten. Bis mir der Boden unter den Füßen weggezogen wurde. Ich war gezwungen, mir bewusst Zeit für mich zu nehmen. Anfangs habe ich den Sport als körperlichen und seelischen Ausgleich genutzt. Stress konnte ich somit gut abbauen.  Trotzdem habe ich mich zunehmend energielos gefühlt. Irgendetwas hat gefehlt. Ein Gefühl, das mich von Innen erfüllt hat.

Die Meinungen über Meditation gehen in verschiedene Richtungen. Die Neurowissenschaft der Meditationsforschung ist immer noch ein sehr ungenaues und nicht vollständig erforschtes Terrain. Diese Lücken werden aber von Zeit zu Zeit vervollständigt. Das Meditieren kann man lernen, es braucht jedoch jahrelange Übung. Selbst dies, ist keine Garantie, dass nicht doch ab und zu ein Gedanke stört. Forscher sagen, dass wir uns erst selbst auf unsere Erfahrungswelt einstimmen müssen, um zu Anderen durchdringen zu können.

Formen der Meditation

Es wird zwischen verschiedenen Arten der Meditation unterschieden. Eine ist die Zen-Meditation. Diese Art kommt aus dem japanischem Zen-Buddhismus. Sie wird im Sitzen durchgeführt und basiert darauf, die „Leere“ der Gedanken herbeizuführen. Es wird täglich mit offenen Augen meditiert. Der Atem wird hierbei fokussiert, aber nicht beeinflusst.

Yoga zählt ebenfalls zu einer Art Meditation, welche einen Zustand von Loslösung und Klarheit erreichen soll. Hierbei werden gezielte Yogaübungen und ein gezieltes Atmen eingesetzt. Das Ziel ist es, in sich selbst zu ruhen und denGeist zu regenerieren.

Außerdem existiert die Transzendentale Meditation, die wohl am häufigsten praktizierteste Meditation. Ein kosmischer Zustand soll erschaffen werden, wobei die Augen geschlossen sind. Es wird sich auf ein Meditationsobjekt, wie zum Beispiel ein Bild (Mandala), einen Satz (Mantra) oder eine Klangfolge konzentriert. 

Verschiedene Bereiche können durchs Meditieren trainiert werden, ob Mitgefühl, Empathie, Fokussierung. Selbst die Hirnalterung kann reduziert beziehungsweise kann dieser vorgebeugt werden. Allerdings muss dieser Prozess konstant weitergeführt werden um die Resultate beizubehalten.

Meditationsübung

Jeder Anfang ist schwer

Das erste Mal habe ich vor knapp einem halben Jahr meditiert und hatte anfangs meine Probleme. Ich habe es nicht mal geschafft meine Augen für fünf Minuten zu schließen, geschweige denn meine Gedanken einfach ziehen zu lassen. Für mich war die Meditation völliges Neuland. Ich hatte meine Vorstellung von dem herkömmlichen eingebürgerten Bild der Meditation. Ich, sitzend im Schneidersitz, die Augen geschlossen und mein Daumen mit meinem Zeigefinger schließend. Mehrmals habe ich den Versuch gestartet, mich auf meine Atmung zu konzentrieren und im Augenblick zu sein.- Jedes Mal ohne Erfolg.

Meine Erfahrungen habe ich mit einem guten Freund geteilt, der daraufhin eine geführte Meditation mit mir praktizierte. Wir haben eine Kerze angezündet, die für Hoffnung stehen soll. Ich konnte das Licht wahrnehmen, obwohl ich meine Augen geschlossen hatte. Er hat mich durch diese Meditation mit seiner Stimme geführt. Zuerst sollte ich tief durchatmen und mich auf die Atmung konzentrieren. Ich sollte meinen Körper spüren. Wie die kalte Luft durch meine Nase strömt, meine Lungen sich mit Sauerstoff füllen, welcher sich in meinem ganzen Körper verteilt. Wie durch jede Ausatmung, Stück für Stück die Anspannung von meinen Schultern fällt. Nach einer Weile sagte er, dass ich an alle Menschen denken soll, für die ich dankbar in meinem Leben bin. Dieser Gedanke hat mich sehr glücklich gemacht. In diesem Moment ist mir bewusst geworden, dass diese Menschen meine Dankbarkeit viel zu selten spüren. Im nächsten Moment sollte ich daran denken, welche Menschen mich vom ganzen Herzen lieben.- Ich hatte Gänsehaut. Und auch hier habe ich gemerkt, dass mir dieser Gedanke nie bewusst war. Ich sollte an meine Ziele und Träume im Leben denken, mich so fühlen, als hätte ich sie schon erreicht. Es hat sich unglaublich real angefühlt und mich stark motiviert, die Ziele zu verwirklichen.

Nach dieser Meditation ist mir klar geworden, dass der Sinn nicht darin besteht, mich krampfhaft auf meine Atmung zu konzentrieren. Es geht darum, etwas bewusst wahrzunehmen. Sein Bewusstsein und die Aufmerksamkeit in unserer reizüberfluteten Welt zu trainieren und zu festigen. Seit diesem Tag meditiere ich mindestens dreimal die Woche. Ich merke, dass ich viele Situationen in meinem Leben deutlich mehr spüre und lebe. Ich bin dankbarer und ausgeglichener. Nach einer Meditation bin ich kreativer und reichlich fokussierter.

Je nachdem, wie ich mich gerade fühle, passe ich meine Meditation an. Wenn ich sehr viel Stress und viele Gedanken im Kopf habe, greife ich oftmals auf eine geführte Meditation zurück. So kann ich mich an einer Stimme orientieren und schweife mit meinen Gedanken nicht zu sehr ab. Wenn mir wichtige Herausforderungen bevorstehen, baue ich gerne Affirmationen ein. Affirmationen sind ausdrucksstarke Sätze, die mir Mut und Kraft geben. Gerne benutze ich Sätze, die mit „Ich bin“ beginnen. Diese Sätze beeinflussen das Unterbewusstsein, sodass sich die Einstellung zu mir selbst und zur Situation positiv verändert.

Wir Menschen sind darauf bedacht, täglich Körperhygiene zu betreiben. Den Geist lassen die meisten dabei außen vor. Schade eigentlich. 

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