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Sport und Gesundheit - Fußball, Fanszene, Sicherheitsdienst Sicherheitsdienst und Polizei sind ein eingespieltes Team im Stadion

Hochkochende Emotionen, Gewalt, Pyrotechnik. All das steht bei einem Fußballspiel auf der Tagesordnung und bringt den Sicherheitsdienst und die Polizei in prekäre Lagen. Erfahrt hier wie der Arbeitsalltag der OrdnungshüterInnen während eines Spiels aussieht.

Im Stadion arbeiten die OrdnerInnen Hand in Hand mit der Polizei. (Quelle: Privat)

Es ist der 12. Mai 2018 im Hamburger Volksparkstadion. Im Bundesligaspiel des heimischen Hamburger Sportvereins gegen die Borussia aus Mönchengladbach läuft die 90. Spielminute. Der Ausgang ist jedoch längst klar und dementsprechend reagieren die ZuschauerInnen. Mehrere maskierte „Fans“ zünden Rauchbomben an und binnen weniger Sekunden bildet sich eine riesige, pechschwarze Rauchwolke. Diese behindert nicht nur die Sicht, sondern kann auch gesundheitsschädlich sein. Schiedsrichter Felix Brych unterbricht die Partie sofort und schickt die Spieler in die Katakomben des Stadions. In diesen Momenten wird Fußball zur Nebensache. Die Polizei, mit eigener Reiterstaffel, und der Ordnungsdienst können durch ihre schnelle Reaktion einen Platzsturm verhindern und sorgen dafür, dass sich niemand ernsthaft verletzt hat.

Nach zehn Minuten kann das Chaos beendet werden, aber von einem richtigen Fußballspiel kann hier nicht die Rede sein. Die Spieler beider Mannschaften stehen am Mittelkreis und schieben sich den Ball hin und her. Es ist also keine wettbewerbsfähige Partie mehr und die Begegnung wird kurz danach beendet. Nun steht das Endergebnis also fest: Der HSV gewinnt das Aufeinandertreffen zwar mit 2:1, steigt jedoch aus der ersten Bundesliga ab.

Dieses Beispiel ist kein Einzelfall und immer häufiger nehmen sogenannte Fans mit ihrem Fehlverhalten, Einfluss auf den sportlichen Ablauf eines Fußballspiels. Um eben dieses Fehlverhalten der Anhänger zu vermeiden, gibt es OrdnungshüterInnen, die im Stadion für Sicherheit sorgen, erklärt Leon Delicat.

„Als kleines Kind schon habe ich mich für das Prinzip eines Fußballspiels interessiert“

Delicat arbeitet nebenberuflich als Ordner im Bremer Weserstadion, dem Hamburger Volksparkstadion und in der HDI-Arena in Hannover. Seine Aufgabe besteht genau darin, Vorkommnisse, wie im Spiel HSV gegen Gladbach, zu verhindern und im Notfall richtig zu reagieren. Bei Hochrisikospielen wird immer um besondere Vorsicht gebeten. Sein Job ist sehr viel mehr, als nur die Eingangskontrollen...

Schon seit seiner Kindheit ist Leon sehr fußballbegeistert. Bereits im frühen Kindesalter ist er regelmäßig ins Stadion gegangen. Aber das ist nicht der einzige Grund, warum er gerne als Ordnungshüter arbeitet.

Dass der Sicherheitsdienst im engen Kontakt zur Polizei steht, ist maßgeblich. Während eines Spieltags harmonieren sie wie ein eingespieltes Team und haben jede eventuelle Situation eingeplant. Grundsätzlich unterscheiden sich ihre Aufgabenbereiche nicht all zu stark.

Lange Arbeitstage und trotzdem volle Konzentration

Die Arbeit der Polizei beginnt weitaus früher im Vergleich zum Sicherheitsdienst, der nur vor und in den Stadien stationiert ist. Nach Bekanntgabe des neuen Spielplans für die beginnende Spielsaison, setzen sich die Vereine und die örtliche Polizei zusammen und arbeiten an einem Sicherheitskonzept für die Partien. Hierbei wird darauf geachtet, welche Spiele besonders hohe Sicherheitsstandards benötigen. Dies sind in den meisten Fällen Derbys oder Aufeinandertreffen, wo die gastierende Mannschaft einen großen Fananhang hat. Aber auch vergangene Begegnungen mit erhöhtem Risiko und der aktuelle Tabellenstand der beiden Mannschaften, werden im Vorlauf in die Evaluation mit einbezogen. Die Anforderungen für die Sicherheitsdienste können dann angepasst werden.

Die Spiele werden im sogenannten Verkehrsampelsystem eingestuft. Partien mit normalen Sicherheitsanforderungen haben die Stufe „Grün“. Brisantere Spiele, beispielsweise ein Nordderby (St.Pauli gegen Hansa Rostock) werden als „Rot“ dargestellt, wobei dann bis zu 1500 PolizistInnen im Einsatz sein können. Sie sind bereits an den verschiedenen Bahnhöfen oder Autobahnzufahrten stationiert, die im Vorfeld eines Fußballspiels hauptsächlich benutzt werden. Darüber hinaus stehen sie an öffentlichen Plätzen, um Ausschreitungen und generelle Aufeinandertreffen von rivalisierenden Fangruppen zu verhindern. Im Umfeld des Stadions will die Polizei dafür sorgen, dass Straftaten verfolgt und Gefahren abgewehrt werden. Den ZuschauerInnen soll also ein sicherer Zugang bis zum Stadion gewährt werden, wobei die Belastung der Sicherheitskräfte ansteigt. Die eingesetzten PolizistInnen müssen zumeist mit einer Arbeitszeit von bis zu zehn Stunden rechnen. Insbesondere bei Hochrisikospielen kann die örtliche Stadt nicht für das gesamte Personal sorgen, wodurch Einsatzkräfte aus anderen Städten in der Region angefragt werden. Für die Hamburger Polizei bedeutet das zum Beispiel, dass sie auf BeamtInnen aus Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachen, Bremen sowie von der Bundespolizei zurückgreifen müssen.

Gewaltpotenzial auch in Corona-Zeiten

Vor der Saison stufte die Bundespolizei die Partie St. Pauli gegen Hansa Rostock als Hochrisikospiel ein. Sie setzten sich vor der Partie das Ziel, „unkontrollierte Aufeinandertreffen von gegnerischen Fans durch ein frühzeitiges Erkennen polizeilich relevanter Personen zu verhindern“, sagt Polizeipressesprecherin Sandra Levgrün. Nach der Partie war die Polizei mit ihrer Arbeit zufrieden, denn im Stadion lief das Spiel ruhig ab und es gab keine besonderen Ausschreitungen. Zum Spielende wurden 392 Personen während des Polizeieinsatzes in Gewahrsam genommen und von den 1500 Einsatzkräften wurde jede gefährliche Aktion frühzeitig wahrgenommen und abgeschwächt. Nun gastiert Hansa wieder in Hamburg, aber diesmal beim Stadtrivalen HSV. Auch dieses Spiel wird als Risikospiel eingestuft, obwohl nur 15.000 Zuschauer aufgrund der Coronalage zugelassen sind. Das Spiel war innerhalb von kurzer Zeit restlos ausverkauft. Die ZuschauerInnen freuen sich auf dieses Aufeinandertreffen. Die Polizei und der Ordnungsdienst müssen auch bei diesem Spiel frühzeitig agieren, um gefährliche Situationen zu verhindern.

Bereits bei der Einfahrt in den Hamburger Hauptbahnhof wurde deutlich, dass dies trotz der aktuellen Corona-Situation kein normales Fußballspiel ist. Mehrere BeamtInnen standen an den vorhandenen Bahngleisen, um das Risiko des Aufeinandertreffens der beiden Fanlager zu minimieren bzw. im Notfall schon sofort handeln zu können. Während der Bahnfahrt zum Stadion gab es keine großen Ausschreitungen und auch im Nachhinein wurde in den Medien nicht von größeren Problemen berichtet. Vor dem Stadion wurden dann die bekannten 2G-Kontrollen durchgeführt und auch hierbei lief alles friedlich ab. Des Weiteren wurden die ZuschauerInnen vor dem Eintritt ins Stadion abgetastet. Um illegale Objekte, wie Pyro-Technik oder gefährliche Waffen, sicherzustellen. Die Gästefans von Hansa Rostock haben sich im Vorlauf der Partie kaum bemerkbar gemacht.

Während des Spiels wurde klar, dass von den ursprünglich geplanten 750 Auswärtsfans deutlich mehr im Stadion waren. Die zusätzlichen ZuschauerInnen haben sich Tickets im offiziellen HSV-Shop geholt und sich dann in die Blöcke neben die Gäste-Fans gesetzt. Der Sicherheitsdienst stellte sich also im Laufe der Partie um den Gäste-Block herum auf, um Ausschreitungen vorzubeugen. Grundsätzlich lief alles friedlich ab und auch nach der Partie gab es keine besonderen Vorfälle. Die Polizei und der Sicherheitsdienst haben für eine gewaltfreie Atmosphäre gesorgt. Ein weiterer Grund dafür, dürfte sein, dass sich die Hamburger Ultras bewusst entschieden haben, in der aktuellen Pandemielage nicht im Stadion vertreten zu sein. Dies sorgt für ein geringeres Gefahrenrisiko.

Die Sicherheitsdienste und auch die Polizei sind wichtige Bestandteile im Ablauf eines Fußballspiels. Ohne ein geplantes Sicherheitskonzept würde es in den meisten Fällen zu deutlich mehr Ausschreitungen kommen und die Sicherheit der einzelnen ZuschauerInnen könnte nicht mehr gewährleistet werden. Auch wenn nicht alle Ausschreitungen verhindert werden können, leisten die Sicherheitsdienste zufriedenstellende Arbeit und sorgen dafür, dass in Notfallsituationen, wie beim Spiel HSV gegen Gladbach, richtig gehandelt wird. Dieses harmonische Zusammenspiel zwischen dem Sicherheitsdienst und der Polizei ist also für den Bundesliga-Alltag sehr wichtig.