Ruhelose Tänzerin

Ein Tanzprojekt in Berlin, eine Sozialinitiative in Ecuador: Alica Paeske aus Peine wird im vergangenen November als Kreativpionier vom Land Niedersachsen ausgezeichnet. Was treibt sie an?

Braune Augen, offene Haare. Ein entspanntes Lächeln schleicht sich auf die Lippen. Alica Paeske ist ein echter Sonnenschein. Die 26-jährige Peinerin ist leidenschaftliche Tänzerin, Choreografin, Model und Filmemacherin. 2014 gründet sie die Sozialinitiative Speranto. Zu ihren Hobbys zählen unter anderem Tanzen, Zeichnen und Piano spielen. Sprachen zu lernen liebt sie genau so wie in der Natur zu sein.

„Ach egal, ich schweife schon wieder ab.“ Mit diesen Worten unterbricht sich Alica Paeske öfter. Egal, ob sie über ihre Sozialinitiative spricht, ihre Zukunftspläne oder ihre Reise zur indigenen Gemeinschaft nach Ecuador. Immer wieder fährt sie sich dabei durch die Haare und verliert in ihren Erzählungen mitunter den Faden. Für die junge Frau steht fest: „Ich muss meinen Visionen hinterher.“

Jugendliche aus schwierigen Verhältnissen

Derzeit lebt Alica in Berlin und arbeitet teilzeit bei der Industrie- und Handelskammer. Dort leitet sie die Initiative „Ich mach‘ mich selbstständig“. Nebenbei plant die Künstlerin verschiedene Projekte für ihre Initiative Speranto. Dort arbeitet sie mit Jugendlichen aus sozialen Brennpunkten. Ziel der Initiative ist die Persönlichkeitsstärkung junger Mädchen durch das Tanzen. Gemeinsam erarbeiten die Teilnehmer eine Choreografie und führen diese einem Publikum vor. Selen, eine ehemalige Teilnehmerin hat durch das Projekt viel gelernt: „Speranto hat mir gezeigt, dass Tanzen fremde Menschen zusammenbringen kann. Alicia ist mit uns immer freundschaftlich umgegangen und war stets offen für neue Ideen. Sie hat uns motiviert, war geduldig und der Spaß blieb nie aus.“

Erst im November erhält die Peinerin eine Auszeichnung vom Niedersächsischen Wirtschaftsministerium als eine der Kreativpioniere Niedersachsens. Dort wird sie als Künstlerin und Unternehmerin für ihr Projekt ausgezeichnet. Ihre Familie und Freunde begleiten sie an dem Tag. Ihre Schwester Milena ist beeindruckt, wie viel Energie Alica investiert. „Sie brennt für ihre Interessen und ist immer für einen da“, sagt die Medienmanagementstudentin stolz über ihre Schwester.

Zweifel gibt es

Mit ihrer Initiative Speranto unterstützt Alica soziale Anliegen. So leitet sie bereits eine Spendenaktion für die Indigene Gemeinschaft Huaorani im Amazonas Ecuadors in die Wege. Außerdem plant sie mit nur 16 Jahren eine Reportage gegen Diskriminierung, da einige ihrer Freunde mit Vorurteilen konfrontiert werden. Sie braucht eine Aufgabe, die sie erfüllt, sagt sie über sich. Auch mit der Initiative verfolgt die Pädagogin das Ziel, nachhaltig einen sozialen Effekt zu erzielen, indem sie einen Kulturaustausch fördert und sich für die Persönlichkeitsstärkung Jugendlicher einsetzt.

Dass nicht immer alles glatt läuft, gibt Alicia ganz offen zu. Während ihres sechsmonatigen Spanien-Aufenthaltes trifft sie ein Paar aus Quito, der Hauptstadt von Ecuador. Das Land ist ein sozialer Brennpunkt. Ein Jahr lang bereitet sie alles vor. Nach ihrem Bachelor entscheidet sich Alica dann für ein Videoprojekt ihrer Initiative nach Ecuador zu reisen. Sie tritt mit offiziellen Behörden in Kontakt, bezahlt den Flug aus eigener Tasche und fliegt alleine nach Quito. Dort angekommen, merkt sie jedoch schnell, dass ihr Kontakt andere Absichten verfolgt. Am Ende hat sie mehr Ärger durch Gerichtsverhandlungen, erzählt die Hip-Hop-Tänzerin bedrückt. Zweifel plagen sie häufig. Auch die Arbeit mit Kindern ist nicht immer einfach. Doch die Erfolgsgeschichten und die Freundschaften, die aus dem Projekt heraus entstehen, sind es der 26-Jährigen wert.

Jeder muss sich selbst lieben und wertschätzen“

Dieses Jahr reist sie nach Jordanien, Indien, Gambia und in den Libanon, wo sie in Frauengefängnissen oder Flüchtlingscamps arbeiten wird. Zudem gründet sie momentan eine weitere Sozialinitiative: die „Indigene Schule“. Diese soll es Geschäftsleuten ermöglichen, eine Reise zu der indigenen Gemeinschaft der Huaorani im Amazonasgebiet von Ecuador zu unternehmen und von den Gemeinschaften dort zu lernen. Sie selbst hat bereits eine Reise dorthin unternommen und viele Eindrücke mitgenommen. So erzählt sie die ein oder andere Anekdote von ihren Erlebnissen dort: „Und wenn du abends auf Toilette wolltest, musstest du mit der Taschenlampe gucken, dass keine Reptilienaugen im Fluss zu sehen sind.“

„Jeder muss sich selbst lieben und wertschätzen. Und wenn man sich selbst liebt, dann kann man auch andere lieben und ihnen Kraft geben.“ Dies nimmt die junge Peinerin als Antrieb und Grundlage für ihre Arbeit im Rahmen von Speranto. Ruhe findet die Ruhelose beim Spazierengehen. Ihre Augen leuchten, als sie von ihrem letzten Ausflug mit Freunden in eine Jump Hall berichtet. Abschalten vom Alltag. In diesem Jahr fährt sie gemeinsam mit ihrem Freund von Berlin nach Rostock und macht eine 200 Kilometer lange Fahrradtour entlang der Ostseeküste. Mit dem Zelt bewaffnet schlafen sie unter dem Sternenhimmel und das Handy wird einfach mal ausgeschaltet.

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