Serienkiller: Warum wir sie lieben

Serienmörder faszinieren uns. Egal, ob in fiktiven Geschichten oder unter wahren Begebenheiten. Viele Killer bekommen sogar Liebesbriefe ins Gefängnis geschickt. Aber woher kommt unser Interesse an solchen Menschen und Geschichten?

Bekannte Serienmörder wie Ted Bundy oder Jeffrey Dahmer sind mit ihren schrecklichen Taten in die Geschichte eingegangen. Dahmer hat nachweislich mindestens 16 Männer sexuell missbraucht, getötet und teilweise sogar gegessen. Bundy vergewaltigte und tötete mindestens 30 junge Frauen und Mädchen. Trotz dieser Taten bekamen sie Fanpost und Liebesbriefe ins Gefängnis und wurden zur Inspiration für zahlreiche Verfilmungen.

Hauptsächlich fühlen sich Frauen zu diesen Männern hingezogen. Warum das so ist, hat laut Psychologen verschiedene Gründe. Manche entwickeln einen regelrechten Fetisch für Verbrecher, der auch Bonnie-und-Clyde-Syndrom genannt wird. Andere leiden unter dem Dompteusen-Syndrom und glauben, den Mann unter Kontrolle zu haben. Und wieder andere meinen, dass die schwerwiegenden Taten nur auf unglückliche Umstände zurückzuführen sind und sie die Täter mit ihrer Liebe retten könnten.

 

Ted Bundy (Quelle: Wikilinks)

Nicht zu vergessen: Unsere Faszination für die Persönlichkeit der Täter. Die meisten sind hochintelligent und charismatisch. Sie verfügen über die Fähigkeit, trotz ihres krankhaften Denkens, unauffällig unter ihren Mitmenschen zu leben und es fällt ihnen leicht, sich in ihr Gegenüber hineinzuversetzen. Laut Denise Sommer, Professorin für Kommunikationswissenschaft an der Ostfalia Hochschule in Salzgitter, spielt für viele Rezipienten die Geschichte und Hintergründe der Serienmörder eine Rolle. Das „sich hineinversetzen“ in die Gedankenwelt mache es für den Zuschauer besonders spannend.

Ted Kaczynski, der so genannte Unabomber, ist ein gutes Beispiel dafür. Mit einem IQ von 167 galt er als Wunderkind, doch er zog sich 1969 in eine abgelegene Hütte zurück. Niemand ahnte, dass er dort Bomben baute und willkürlich per Post verschickte. Zwischen 1978 und 1995 tötete er drei Menschen und verletzte 23 weitere. Für viele war er dennoch eine Popkultur-Ikone, die Hollywood-Filme inspirierte. Auch Netflix veröffentlichte eine erfolgreiche Dokumentation.

Theodore Kaczynski (Quelle: Wikilinks)

„Viele von uns fasziniert auch das Unbekannte“, macht Denise Sommer deutlich, denn „in der Regel kommt niemand von uns mit Mördern in Berührung.“ Das fasziniert uns so sehr, da wir wissen möchten, was diesen Menschen bewegt. Es sind Emotionen, die süchtig machen, ähnlich wie der Adrenalinkick in der Achterbahn. Dokus und Serien können genau diese Neugier befriedigen.

Das ist auch den Medienmachern bewusst. „Aus der Unterhaltungsforschung wissen wir, dass viele Gefühle zusammenkommen, damit wir unterhalten werden“, so Denise Sommer weiter. Für manche Rezipienten sei besonders das Entsetzen über solche Taten spannend, während andere ihren Gewinn daraus ziehen, zu erfahren, wie solche Personen ticken. Somit steht fest: Serienkiller ziehen uns aus vielen Gründen in ihren Bann.

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