Tanith in Miami

Tanith Brauner hat sich schon immer ein Leben in den USA erträumt. Für ihr Masterstudium hat sie sich bereit gefühlt und den großen Schritt nach Miami gewagt. Inzwischen lebt sie bereits seit elf Monaten ihren Traum.

„Es ist alles so gelaufen, wie ich es mir vorgestellt habe.“ Mit diesen Worten blickt Tanith auf ihre ersten drei Monate in Miami zurück. Die 23-jährige junge Frau ist für ihr Masterstudium umgezogen. In Miami studiert sie Hospitality Management mit Schwerpunkt Eventmanagement an der Florida International University. Geboren ist Tanith in Clearwater, Florida. Amerikanische Wurzeln haben ihre Eltern nicht, sie haben aber vor ihrer Geburt dort gewohnt. Tanith ist bis zu ihrem 18. Lebensjahr in Berlin aufgewachsen und hat auf dem Moser Schule Schweizer Gymnasium ihr Abitur absolviert.  Für ihr Bachelorstudium zog sie für drei Jahre nach Dresden. Dort belegte sie den Studiengang Internationales Tourismus- und Eventmanagement. Vor ihrer Reise hat Tanith mit TikTok angefangen und hat mittlerweile knapp 252.000 Follower (Stand Juni 2021). Da sie bisher keine Kooperationen eingegangen ist, mit denen sie Geld verdient, hat sie einen Nebenjob bei einer Einrichtungsfirma in Miami. Tanith ist 1,75 Meter groß und beschreibt ihren Körper als kurvig. Sie hat langes, glattes hellbraunes Haar und braune Augen. Ihr schmales Gesicht ist durch ihre vollen Lippen und ihre geraden weißen Zähne gekennzeichnet. Tanith ist sehr selbstbewusst, ehrgeizig, offen und ehrlich. Ihr Ehrgeiz wird in manchen Situationen zu einer Schwäche, da sie bei ihren Leistungen oft selbstkritisch ist. Eine weitere Schwäche von ihr ist ihre Ungeduld. Tanith ist sehr höflich und gesprächig, außerdem wirkt sie durch ihr ständiges Lächeln im Gesicht immer fröhlich.

Es gibt keinen Weg mehr zurück

Schon als kleines Kind hatte Tanith große Sehnsucht nach ihrem Geburtsland. Für sie stand schon immer fest, dass sie eines Tages in Miami leben wird. Ursprünglich hatte ihre Familie den Wunsch, gemeinsam nach Amerika zu ziehen. Doch leider ließ sich dieser Traum nie in die Realität umsetzen. Aus diesem Grund nahm sich Tanith vor, schon für ihren Bachelor nach Miami zu ziehen. Mit 18 Jahren fühlte sie sich noch nicht bereit und entschied sich für das Bachelorstudium in Deutschland. Für ihren Master war sie sich dann sicher und hat sich zehn Monate vorher an ihrer Traumuniversität, der FIU, beworben. Diese Universität war die einzige, bei der sie sich bewarb. Tanith hoffte, dass sie mit einem 2,3 Bachelorschnitt und der Note 1,3 in ihrer Bachelorarbeit angenommen wird. „Ich würde niemandem empfehlen, dasselbe zu machen wie ich“, fügte sie hinzu. Denn ein Plan B oder auch ein Plan C sind immer von Vorteil. Als sie eines Morgens um 4:30 Uhr aufwachte, sah sie ihre Annahme an der FIU und konnte ihr Glück kaum fassen. Ab diesem Zeitpunkt stand fest, dass es keinen Weg mehr zurück gibt und die Reise für Tanith bald beginnt. Kurze Zeit später begann die Wohnungssuche. Es sei ein halber Wohnungsmarathon gewesen, so Tanith. Trotzdem fand sie ihre Wohnung und konnte es kaum abwarten, mit ihrem Studentenalltag zu beginnen.

Neues Land, neues Ich?

Ihren ersten Tag an der FIU beschrieb Tanith wie folgt: „Das Schlimmste für mich war die Vorstellungsrunde.“ In dieser Runde sollte sich jeder auf Englisch vorstellen, was für Tanith eine große Herausforderung war. Denn während ihrer Zeit in Deutschland war sie schüchterner, was sich im Laufe der Zeit in Amerika aber veränderte. Vor Tantiths Umzug nach Miami haben ihre Eltern ihr bei vielen Kleinigkeiten geholfen. Seitdem sie allein auf einem anderen Kontinent wohnt, ist sie viel selbstständiger geworden. Ihr Umfeld hat sich dementsprechend auch geändert. In Deutschland hat sie engen Kontakt zu Familie und Freunden gehabt. In Amerika findet dieser Kontakt größtenteils über Facetime statt und einige Freunde gibt es nicht mehr. Viele ihrer ehemaligen Freunde hätten laut Tanith nicht daran geglaubt, dass sie diesen Schritt wagt. Ihre wahren Freunde und ihre Familie seien von Anfang an davon überzeugt gewesen, dass sie es schafft. In ihrem neuen Heim in Miami verbringt Tanith ihre Zeit hauptsächlich mit ihrem Nachbarn oder ihrem Kommilitonen Lukas, der inzwischen ein guter Freund für sie geworden ist. Die Freizeitbeschäftigungen von Tanith sind im Gegensatz zu denen in Deutschland anders. Dort ist sie gerne mit ihren Freunden in Bars oder Restaurants gegangen. In Amerika geht sie gerne zum Topgolf und unternimmt oft Ausflüge. „Ich bin immer woanders, da es viel mehr Vielfalt als in Deutschland gibt“, sagt Tanith. Auch durch TikTok hat sich in Miami für Tanith einiges geändert. Dank ihres Accounts auf der Social Media Plattform haben sich viele Türen geöffnet. Die Florida International University ist auf ihren Account aufmerksam geworden und bot ihr eine Kooperation an. Bei dieser Kooperation erhält Tanith kein Geld, sondern hat Zugang zu verschiedenen Geländen und Veranstaltungen mit Stars, der ihr ansonsten verwehrt geblieben wäre.

Amerika vs. Deutschland – Kulturschock für Tanith

In ihrer bisherigen Zeit in Miami sind Tanith einige Unterschiede zu Deutschland aufgefallen. Im Studentenalltag gibt es mehrere Differenzen. Von einem strukturierten Alltag, wie viele deutsche Studierende ihn kennen, konnte sie nicht berichten. Aufgrund der Corona-Pandemie hat auch sie viele Online-Vorlesungen. Jedoch nur mittwochs und manchmal samstags. Am Mittwoch hat sie die Möglichkeit eine Online-Vorlesung in Präsenz zu haben und nimmt diese wahr, da sie andere Leute sehen möchte. An den anderen Tagen hat sie keine Vorlesungen. Laut Tanith klinge das entspannt, jedoch müsse sie dafür selbstständig viel erarbeiten. Die anderen Tage ist sie also damit beschäftigt an Hausaufgaben, Projekten oder Präsentationen zu arbeiten. Außerdem hat sie keine Ferien, außer ein paar Wochen im Dezember. Überzeugt sagt Tanith: „Hausaufgaben sind nervig, aber sehr hilfreich.“ Mit Ausarbeitungen verinnerlicht man eine Thematik leichter. Auch in den Vorlesungen müssen sich die Studenten mündlich beteiligen, da das benotet wird, was ebenso zum Verinnerlichen eines Themas beiträgt. In Amerika gibt es somit mehrere Dinge, die die Note beeinflussen. Auch die Vorlesungszeiten sind andere, da sie sehr spät abends noch zur Vorlesung muss. Ein Campus ihrer Uni, der Modesto A. Maidique Campus (MMC), hat ein Fitnessstudio, ein Yogastudio, ein Wellnessstudio und ein Footballstadion. „Die Amerikaner leben in anderen Dimensionen, es ist alles groß“, sagt Tanith dazu. Die genannten Einrichtungen des MMC Campus, können sich viele Universitäten in Deutschland kaum vorstellen. Laut Tanith sei es viel motivierender, auf einem schönen Campus zu studieren.

Doch auch im Alltag gibt es einige Unterschiede. Die Menschen seien sehr gesprächig. Das Wetter sei ein großer Einfluss dafür, dass die Leute positiver eingestellt sind, so Tanith. Ob beim Einkaufen, oder beim Spaziergang, Tanith hatte bereits einige Gespräche mit fremden Leuten, die sie so in Deutschland nicht gehabt hätte. Tanith sagt dazu: „Ich musste mich erstmal anpassen, da ich in Deutschland eher Vertrauen gebraucht habe, um über gewisse Dinge zu sprechen.“ Denn in Amerika würden die Menschen viel schneller über private Themen sprechen als in Deutschland. Tanith ist der Meinung, dass das Einkaufen in Amerika ein ganz anderes Erlebnis als in Deutschland ist. Es gäbe viel mehr Auswahl, die sie manchmal ein wenig überfordere. Den amerikanischen Führerschein hat Tanith auch gemacht und ist der Meinung, dass viele Amerikaner sehr gefährlich Auto fahren. Beim Abbiegen nicht blinken oder Aufforderungen zum Autorennen erlebte sie selbst schon. Anfangs hatte sie daher große Angst und ist sehr langsam gefahren. Auch der Umgang mit der Corona-Pandemie ist ein ganz anderer als in Deutschland. Die FIU ist sehr vorsichtig und achtet auf alle Maßnahmen. Im Alltag sieht das jedoch anders aus. Es gibt keine Haushaltsbeschränkungen. Bars und sogar einige Clubs sind geöffnet. Tanith selbst ist sehr vorsichtig und hat sich vorgenommen, keinen Club zu besuchen.

Throwback – was war, was kommt?

„Ich bereue gar nichts und hätte nichts anders gemacht“, sagt Tanith.  Es ist alles so gelaufen, wie sie es sich vorgestellt hat. Sie ist sehr dankbar, dass ihre Eltern einen großen Teil zur Finanzierung beitragen und ihr diese Chance ermöglichen. Das Einzige, was ihr fehlt, sind Familie und Freunde. Davon abgesehen ist sie mit allem zufrieden und denkt sogar darüber nach, auch nach dem Master in Miami zu bleiben. Sie könne sich vorstellen in der Eventindustrie Fuß zu fassen oder ein Leadership zu machen, um sich Kompetenzen als Führungskraft anzueignen. Ihr großer Traum sei es, eines Tages ein eigenes Hotel zu haben. Darüber hinaus ist sie stolz auf sich, dass sie sich in manchen Dingen verändert hat. „Meine Freunde in Deutschland haben mich nicht umsonst Salamander genannt“, sagt Tanith. Denn sie kann sich sehr gut anpassen und hat das auch in Amerika geschafft. Sie hat gelernt offener zu sein und ist mittlerweile weder ängstlich noch schüchtern. Ganz im Gegenteil: Sie ist selbstbewusster als je zuvor.

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