Obsession Film  

Wenn man einen Blick in Frederiks Zimmer wirft, scheint es, als wäre man in einem Museum für Film und Comicgeschichte. Dem ist aber nicht so. Der Raum gehört einem 23-Jährigen, der die Bezeichnung Nerd als ein wahres Kompliment sieht.

Interviewer: Sie sind also filmverrückt. Das kommt wahrscheinlich nicht aus dem Nichts. Erzählen sie mir, woher diese Obsession kommt?  

Frederik: Nun ja, Filme haben mich schon mein ganzes Leben begleitet. Als ich ungefähr fünf Jahre alt war, wollte ich unbedingt den Spiderman von Sam Raimi schauen, durfte es aber nicht. Meine Eltern haben es sich als Kompromiss überlegt, mir eine Making-Of-DVD des Films geschenkt. Als ich also wieder und wieder zugeschaut habe, wie der Regisseur erklärt, was er sich bei jeder Szene gedacht hatte und ich zuschauen konnte, wie Doubles ihre Stunts ausgeführt haben wurde ich süchtig. Etwas später bekam ich aber die richtige DVD, was mich nur noch mehr angefixt hat. 

Interviewer: Nach dieser ersten DVD haben Sie Blut geleckt. Aber wie kam es dann dazu, dass Sie so viele Filme gesammelt haben? 

FrederikMein erster richtiger Film, mit dem die Sammlung auch gestartet ist, war Scream IV. Damals hat mein Vater ihn mir in einem sogenannten Amary Case gekauft – also die ganz normale Verpackung. Bis ich 16 war, war der Aufbau meiner Sammlung, dem FSK-Sticker geschuldet, sehr zäh. Am Anfang wollte ich einfach die Filme in meiner Sammlung haben – ganz egal, ob DVD, Blu-ray, Steelbook oder Mediabook. Mit der Zeit fand ich aber gerade an den Sondereditionen Gefallen und machte es mir zur Aufgabe, alles zu besitzen, was ich cool finde. Seither suche ich mehrmals täglich auf Filmbörsen im Internet oder Ebay nach seltenen Editionen. Regelmäßig suche ich aber auch Läden wie Saturn auf oder meinen Filmhändler des Vertrauens auf. Dass ich den gerne geheim halten würde, versteht sich von selbst.  

Interviewer: Nun möchte ich aber die harten Fakten kennen. Wie vielen Filmen schenken Sie hier auf 22 Quadratmeter ein Zuhause? 

Frederik: Es sind ungefähr 730 Blu-rays. Dazu kommen aber noch an die 200 DVDs aus Zeiten, wo mir Bildqualität noch nicht so wichtig war. Momentan schätze ich meine Sammlung auf rund 15.000 Euro. Hierbei ist aber auch nur der Preis, den ich für die einzelnen Filme bezahlt habe, zusammengerechnet. Mein Wrong Turn 1-6 Mediabook habe ich damals zum Beispiel für 150 Euro in einem Sammlergeschäft gekauft. Jetzt ist es aber mittlerweile fast 500 Euro wert. 

Interviewer: Ich sehe, Sie sammeln hauptsächlich Filme aus dem Genre „Horror“? Was fasziniert Sie an Filmen, bei denen sich das Publikum schaudern und ekeln soll? 

Frederik: Ich glaube, es ist das Gefühl als wäre man in einer Achterbahn. Wenn man vor dem Fernseher sitzt und dieses simulierte Gefühl von Gefahr im ganzen Körper kribbelt. Ich muss aber zugeben, ein kleines bisschen ist es auch die Schönheit, die ich in grafischen Szenen sehe. Das Blut und das Kreieren dieser drastischen Szenen faszinieren mich unendlich. Außerdem sind für mich Horrorfilme die einzigen Filme, die so eine massive Bandbreite an Gefühlen in einem hochkommen lassen. Das schafft für mich wirklich nur ein guter Slasher. 

Interviewer: Sie können mit ihrer Begeisterung wirklich anstecken. Zu guter Letzt möchte ich wissen, was raten Sie einem Film*noch*unbegeisterten? 

Frederik: Erstens kann ich gar nicht verstehen, wie manche Menschen nicht Feuer und Flamme für diese Kunst sein können. Aber müsste ich eine Sache raten, dann wäre es, dass man Netflix und Co bei Seite lässt und sich den nächsten Film sorgfältig in einem Geschäft aussucht. Der Film wird durch diese etwas aufwändigere Art zu einem besonderen Erlebnis. Man hat schon vor dem Schauen viel Zeit investiert und lässt somit auch keine Sekunde dieses Filmes ungewürdigt. 

*Frederik ist ein Pseudonym des Interview-Partners, der nicht möchte, dass man aufgrund seines Namens zu ihm nach Hause kommt und seine Filme stiehlt.

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