Zoo, Nein danke!

Es heißt, Zoos tragen zur Erhaltung der Artenvielfalt und zum Lernen über verschiedene Tierarten bei. Doch was lernt man wirklich in einem Zoo? Wie man nicht mit Tieren umgehen sollte!
  1. Der erste Grund müsste einem klar sein: In einem Zoo gibt es KEINE artgerechte Haltung. Die Tiere werden in viel zu kleinen Käfigen gehalten. Auch sind die Käfige meist sehr kahl und erinnern nicht mal annähernd an den natürlichen Lebensraum. Dazu kommt auch noch der Mangel an Beschäftigung. Sie langweilen sich und das führt auch direkt zu dem zweiten Grund.
  2. Es ist kein Geheimnis, dass manche Zoos, gerade bei Elefanten, nicht zimperlich sind. Die PETA hat 2017 Videoaufnahmen von dem Zoo Hannover veröffentlicht, worin ein Tierpfleger zu sehen ist, der den Elefantenhaken mutwillig einsetzt. Als Elefantenhaken wird eine Stange mit einer Metallspitze bezeichnet. Mit dieser Stange werden Elefanten gefügig gemacht. Durch Stiche in die Haut sollen die Tiere beispielsweise einen neuen Trick für die Shows lernen. Der Zoo Hannover weist die Anschuldigung von Tierquälerei allerdings zurück. Nach Sichtung des gesamten Videomaterials stellt die Staatsanwaltschaft Hannover das Verfahren gegen den Zoo ein. Wie das sein kann, ist nach den Ausschnitten jedoch unerklärlich.
  3. Tiere, die in einem Zoo geboren werden, haben meistens keine Überlebenschancen mehr in der Wildnis. Zu diesem Schluss ist auch eine internationale Studie der University of Exeter im Wissenschaftsmagazin National Geographic gekommen. Die Überlebensrate von Zootieren in der Wildnis beträgt nur etwa ein Drittel. Generell verlieren die Tiere ihren eigentlichen Jagdinstinkt völlig. Andersherum verlieren Tiere auch ihren Fluchtinstinkt. Dadurch flüchten sie bei möglicher Gefahr nicht und haben auch nicht den nötigen Respekt vor Menschen. Dies alles führt dazu, dass eine spätere Auswilderung unmöglich ist, da die Tiere so in der freien Wildbahn nicht überlebensfähig sind.
  4. Zoos vermitteln den Besuchern laut PETA ein völlig falsches Bild von den Tieren. Die Besucher lernen nichts über eine artgerechte Haltung, weil es diese in einem Zoo einfach nicht gibt. Dadurch wird dem Besucher aber suggeriert, dass diese Haltung völlig normal sei. Auch über die Tiere vermittelt ein Zoo ein falsches Bild. Die Tiere verhalten sich weder natürlich noch können die Besucher etwas über den natürlichen Lebensraum der Tiere lernen. Besonders bei Kindern kann das zu einer verzerrten Wahrnehmung führen, da die Haltung in Käfigen normalisiert werden.
  5. Um die Zahl der Tiere hochzuhalten, ist eine Vermehrung unumgänglich. Viele Tierarten können sich aber unter den schlechten Bedingungen im Zoo nicht mehr fortpflanzen. Daher wird in Zoos teilweise Inzucht betrieben. Dies führt wiederum bei den Tieren zu Missbildungen der einzelnen Gliedmaßen. So auch bei einem Löwenbaby aus dem Frankfurter Zoo. 2019 musste der Löwe kurz nach der Geburt eingeschläfert werden, da er eine Schädelmissbildung hatte. Oft werden einzelne Tiere für die Paarung auch kilometerweit in einen anderen Zoo transportiert. Das wird von den Zoos in Kauf genommen, damit die Tiere Nachwuchs bekommen. Tierbabys sind ein Besucher-Magnet und der Zoo macht damit Profit.
  6. Durch die mangelnde Beschäftigung der Tiere, entwickeln diese Verhaltensstörrungen. Die größte Tierschutzorganisation PETA hat das mit den Besuchen mehrerer deutscher Zoos belegt. Dort hat sie unter anderem festgestellt, dass von 34 Eisbären mehr als die Hälfte verhaltensauffällig ist. Auch bei Elefanten treten Auffälligkeiten wie das Weben auf. Dabei schaukeln die Elefanten von einem Bein auf das andere, was nicht gut für ihre Gelenke ist.

Es gibt viele gute Gründe, Zoos zu meiden. Aber jedem ist am Ende selbst überlassen, ob man den Zoo mit einem Besuch unterstützen möchte. Wir alle müssen für uns selbst entscheiden, was moralisch vertretbar ist.

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