Komme fünf Minuten zu spät, der Bus ist pünktlich

Ambitioniert und optimistisch geht die Ostfalia eines ihrer meistbeklagten Probleme an: den Standort des Campus Salzgitter. Zwei Expressbuslinien wurden neu eingeführt. Man könnte meinen: Jetzt liegt es an den Studierenden, das Angebot zu nutzen. Doch so einfach ist es nicht!

„Hab ich schon was verpasst?” ist die erste Frage, die ich meinen Kommilitonlnnen stelle, als ich mich in die bereits laufende Vorlesung schleiche. Zu spät – und es ist nicht einmal meine Schuld: Wecker nicht weggedrückt, Schlüssel nicht gesucht, den Bus nicht verpasst. Der Grund für meine Verspätung: die Fahrzeiten der neuen Expressbusse.

Im Wintersemester 24/25 wurden neue Expressbuslinien zwischen den anliegenden Bahnhöfen Salzgitter Bad und Salzgitter Lebenstedt und dem Campus der Ostfalia eingeführt. So ging es von anfallenden Spritkosten hin zu langen Transferzeiten. Das belastet die Nerven und den Geldbeutel von Studierenden und DozentInnen. Nach Verhandlungen mit der Stadt Salzgitter und der KVG Braunschweig präsentiert die Hochschule zwei neue Expressbuslinien als Abhilfe. Die Buslinien 614 und 615 sollen von Vorteil für Pendler und Klima sein. Dabei wird das Vorhaben mit dem Semesterticket weiter bekräftigt, welches seit letztem dem Wintersemester im Semesterbeitrag enthalten ist.

All diese Bemühungen haben aber nur einen dürftigen Effekt. Als Studentin kann ich die Expressbusse nicht ausreichend nutzen. Pendeln sollte im Fokus dieses Projektes stehen. Dabei scheint genau dieser Aspekt, mit Umsteigezeiten von teilweise nur fünf Minuten, wenig durchdacht. Bedenkt man die Verlässlichkeit der Deutschen Bahn, ist die Taktung für Anschlüsse wirklich sportlich. Eine rote Ampel zu viel, dann ist der 614er Bus nicht mehr um 14:06 am Bahnhof Lebenstedt und es reicht nur noch ein Sprint und ein Gebet, um den Zug um 14:15 zu kriegen. Auch mit Blick auf den Stundenplan sollte man die Laufschuhe bereithalten. Ist die 615 zeitig um 9:41 am Campus, bleiben noch vier Minuten für den Lauf zur 9:45 Vorlesung. Startet der Block um 17:30, kommt man mit dem Bus gerade pünktlich um 17:19 an.

Allen ist bewusst, dass die Abgelegenheit des Campus kein einfach lösbares Problem ist. Aber ein teils nur vierminütiges Zeitfenster für Anschlüsse mit der Deutschen Bahn ist eine theoretische Lösung mit realistischer Mangelhaftigkeit. Die Unterschiede zwischen Theorie und Praxis zeigen sich in dieser Testphase und bieten Grund genug, eine Änderung der Zeitpläne vorzuschlagen. Studierende sollen die Linien mehr nutzen und diese somit fortlaufend gegenüber der Stadt rechtfertigen, aber wie sollen sie das, wenn immer ein Wettlauf dazugehören muss?

Titelbild: Graphik zur Umfrage Bieten die Expressbuslinien tatsächlich Abhilfe beim Pendeln, von Antonia Steffens. Erstellt mit Graphikwrapper

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