Arbeitsplatz in der Goldschmiede Kähm in Wolfsburg, Foto von Victoria Teichmann

Macht, Status, Identität

Schmuckstücke begleiten den Menschen schon seit Jahrtausenden. Ein Einblick in die Goldschmiede Kähm in Wolfsburg zeigt, wie viel Geschichte, Handwerk und persönliche Bedeutung in jedem Schmuckstück steckt.

Ganz gleich ob Gold oder Silber, Diamanten oder Saphire. Schmuck ist Teil unserer Geschichte, Teil unserer Kultur und Teil von uns selbst. Er dient nicht nur dem dekorativen Zweck, sondern auch als Symbol für Macht, Besitz, Spiritualität und Zugehörigkeit. 

Noch bevor Menschen Kleidung trugen, schmückten sie ihre Körper mit natürlichen Materialien, wie Muscheln, Tierzähnen, Knochen oder Steinen. Über die Jahrhunderte hinweg entwickelte sich der Schmuck und dessen Bedeutung immer weiter. Die Entdeckung und Nutzung von Metallen wie beispielsweis Kupfer, Silber und insbesondere Gold, ermöglichten neue Techniken. Bereits in der frühen Zivilisation wurden Edelsteine verarbeitet und Schmuckstücke reichlich verziert.

Schmuck im Wandel der Zeit

In antiken Hochkulturen wie Ägypten, Griechenland und Rom spielte Schmuck eine wichtige Rolle. Er wurde genutzt, um soziale Stellungen und religiöse Zugehörigkeit zu vermitteln, zusätzlich diente er häufig als Glücksbringer oder Talisman. Im Mittelalter wurden diese Funktionen des Schmucks verstärkt. Die sozialen Differenzen wurden stärker, die Verknüpfung zur Kirche intensiver und Schmuck galt als ein Zeichen von Rang. 

Mit dem Beginn der modernen Epoche wurde Schmuck und dessen Herstellung relevanter. Das Handwerk brachte zahlreiche Stilwenden hervor, welche die Epochen und den gesellschaftlichen Wandel widerspiegelten.

Zeitstrahl – Ein Blick in die Vergangenheit

Infografik: Zeitstrahl des Schmucks, erstellt von Vanessa Pichiri und Victoria Teichmann

Mehr als ein dekoratives Objekt

Schmuck war stets mehr als ein reines Schmuckstück. Er dient als Ausdruck von Identität, Status, Macht, als Glücksbringer und als Zahlungsmittel. Wer Schmuck anschaut, sieht nicht nur etwas Wertvolles oder Schönes, es wird auch immer ein Stück der Menschheitsgeschichte betrachtet. Auch heute tragen viele Menschen Schmuck, und dieser hat nicht selten eine wichtige Bedeutung für die TrägerInnen. Er ist ein Symbol für Identität, Beziehungen, Erinnerungen oder Gefühle. Die Kette der verstorbenen Oma, der Ehering oder das Armband, das ein Geschenk zum bestandenen Abitur war: Alle diese Schmuckstücke sind verbunden mit persönlichen Empfindungen. 

Die Bedeutung von Schmuck hat viele Ebenen und kann tief in das Herz gehen. Geliebte Perlen einer verstorbenen Person können eine tröstende Rolle einnehmen, da sich Angehörige der Person nahe fühlen können. Ein hinterbliebener Ring oder eine Kette können zu einer Kraftquelle werden, um den Verlust besser zu verarbeiten. Ein geliebter Mensch ist gegangen, doch die Erinnerung, die wir jeden Tag tragen, bleibt. 

Darüber hinaus kann Schmuck ein Symbol für persönliche Meilensteine sein, die wir uns selbst gesetzt haben. Viele Menschen belohnen sich nach einem persönlichen Erfolg mit einem neuen Glanzstück, mit dem sie ihr Erreichtes feiern. Dadurch erinnern wir uns nicht nur erneut an das Ereignis, sondern auch den Willen, unsere Stärke und unser Durchhaltevermögen. So kann Schmuck eine motivierende Rolle einnehmen. 

Wenn Schmuck Erinnerungen trägt

Unterschiedliche Menschen erzählen von ihrem liebsten Zierstück und beschreiben, warum es so besonders ist, wie sie dazu gekommen sind und welche Erinnerungen, Gefühle und Geschichten sie damit verbinden:

Delfinring, Foto von Vanessa Pichiri
Pandora-Armband, Foto von Vanessa Pichiri
Muschelkette, Foto von Victoria Teichmann

Vom Material zum Unikat

Schmuck ist einerseits das Ergebnis von Handwerk und Erfahrung, andererseits ist er Teil familiärer Traditionen. Wie viel Arbeit, Leidenschaft und Geduld in jedem einzelnen Schmuckstück stecken, wird dort sichtbar, wo das Handwerk täglich gelebt wird.

Ein Beispiel hierfür ist die Goldschmiede Kähm aus Vorsfelde, in der Nähe von Wolfsburg. Seit Jahrzehnten wird der Betrieb als Familienunternehmen geführt: Ein Vater, der sein Wissen und seine Leidenschaft zum Beruf gemacht hat und dies an seine zwei Söhne weitergibt, die ihren eigenen Weg im traditionsreichen Handwerk suchen. 

Die Brüder Bruno und Nikita Kähm zeigen Schritt für Schritt, wie aus Rohmaterial ein individuelles Schmuckstück entsteht, und was das Goldschmiedehandwerk für sie persönlich bedeutet.

Bildergalerie: Schmuckstücke der Goldschmiede Kähm und Einblicke in die Werkstatt, Fotos von Victoria Teichmann

Handwerk: Zwischen Vergangenheit und Gegenwart

Es ist viel Erfahrung, Präzision und Hingabe für ein fertiges Schmuckstück nötig. Hinter den ruhigen Handgriffen und der routinierten Arbeit verbergen sich unterschiedliche Wege. So ist von außen kaum erkennbar, dass Bruno ursprünglich keine klaren Vorstellungen von seiner beruflichen Zukunft hatte und eher aus Orientierungslosigkeit als aus Überzeugung in den Familienbetrieb einstieg. Die Ausbildung beim eigenen Vater bedeute für ihn nicht nur Nähe zum Handwerk. Damit war auch ein besonderer Leistungsdruck verbunden, der höher war als bei anderen Auszubildenden.

Doch genau das wisse er nun zu schätzen. Seine Kreativität frei ausleben zu können, der  Kundenkontakt sowie die allgemeine Unabhängigkeit bedeuten Bruno viel. Auch sein jüngerer Bruder Nikita erlebt den Betrieb aus einer anderen Perspektive. Er wuchs quasi in der Goldschmiede auf und fertigte bereits vor einigen Jahren zusammen mit seinem Vater ein Schmuckstück als Geschenk für seine Mutter an.

Werkstätten wie die der Familie Kähm existieren nicht nur. Sie sind Teil einer langen Tradition und entwickeln sich mit der Zeit. Seit Jahrhunderten wird Schmuck gefertigt, getragen, weitergegeben und neu interpretiert. Materialien verändern sich, Techniken entwickeln sich weiter, doch der grundlegende Gedanke bleibt bestehen. Schmuck entsteht in einem Prozess, der Zeit benötigt und Spuren menschlicher Arbeit trägt.

Besonders in einer Gegenwart, in der vieles industriell produziert wird, behalten handgefertigte Stücke eine besondere Stellung. Sie stehen für Beständigkeit, für Geschichte und ein Handwerk, das Wissen nicht nur bewahrt, sondern weitergibt. Schmuck wird so zu einem stillen Begleiter. Nicht wegen seines materiellen Werts, sondern wegen der Bedeutung, die Menschen ihm im Laufe ihres Lebens zuschreiben.

Titelbild: Arbeitsplatz in der Goldschmiede Kähm in Wolfsburg, Foto von Victoria Teichmann

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