Was wäre, wenn wir einfach leben?

Sie fragen ‘Was willst du werden?‘ und wir leiern die üblichen Phrasen runter, damit sie aufhören uns ständig daran zu erinnern, was wir selbst nicht wissen.

Wie soll ich erkennen, was ich aus meinem Leben machen möchte, wenn ich nicht mal die Frage Fanta oder Sprite beantworten kann?
Zukunftsangst ist die Furcht vor dem, was in den nächsten Tagen, Wochen oder Jahren passieren könnte. Es ist vor allem die Frage: Was wäre, wenn …?
Was wäre, wenn ich mein Studium nicht schaffe? Was wäre, wenn mir mein Beruf keinen Spaß macht? Was wäre, wenn ich mit 40 nicht das Leben lebe, dass ich mir mit 20 vorgestellt habe? Was wäre, wenn ich viele Fehlentscheidungen fälle? Was wäre, wenn ich neue Situationen nicht meistern kann? Was wäre, wenn ich nur eine von vielen bin? Ich weiß nicht, ob ich die richtigen Entscheidungen treffe, aber für den Moment fühlt es sich richtig an, und wieso sollte ich mir Gedanken darüber machen, was mich erst in der Zukunft beeinflussen kann? Was wäre, wenn wir einfach leben? Ich will ein Haus bauen, meinem Steuerberater vertrauen, meinen Partner lieben, Kinder kriegen, die Zeit genießen und vielleicht einen Vertrag abschließen.
Lasst uns mal abbiegen von dem Fahrplan unseres Lebens und die Landstraße nehmen, um einmal durchzuatmen. Lasst uns die Kurven voll ausfahren und unsere Haare im Winde wehen. Avicii schrieb einst „One day you’ll leave this world behind. So live a life you will remember”. Also tun wir es. Leben wir unser Leben in vollen Zügen und verschwenden wir unsere Zeit nicht mit Sorgen vor der Zukunft, denn wenn wir irgendwann in beigen Hosen im Sessel sitzen, mit dem Gebiss schwimmend in Kukident, sollten wir glücklich sein. Denn das Leben ist schön und wir haben nur das eine. Was wäre, wenn wir einfach leben?

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