Was wäre, wenn wir einfach leben?

Sie fragen ‘Was willst du werden?‘ und wir leiern die üblichen Phrasen runter, damit sie aufhören uns ständig daran zu erinnern, was wir selbst nicht wissen.

Wie soll ich erkennen, was ich aus meinem Leben machen möchte, wenn ich nicht mal die Frage Fanta oder Sprite beantworten kann?
Zukunftsangst ist die Furcht vor dem, was in den nächsten Tagen, Wochen oder Jahren passieren könnte. Es ist vor allem die Frage: Was wäre, wenn …?
Was wäre, wenn ich mein Studium nicht schaffe? Was wäre, wenn mir mein Beruf keinen Spaß macht? Was wäre, wenn ich mit 40 nicht das Leben lebe, dass ich mir mit 20 vorgestellt habe? Was wäre, wenn ich viele Fehlentscheidungen fälle? Was wäre, wenn ich neue Situationen nicht meistern kann? Was wäre, wenn ich nur eine von vielen bin? Ich weiß nicht, ob ich die richtigen Entscheidungen treffe, aber für den Moment fühlt es sich richtig an, und wieso sollte ich mir Gedanken darüber machen, was mich erst in der Zukunft beeinflussen kann? Was wäre, wenn wir einfach leben? Ich will ein Haus bauen, meinem Steuerberater vertrauen, meinen Partner lieben, Kinder kriegen, die Zeit genießen und vielleicht einen Vertrag abschließen.
Lasst uns mal abbiegen von dem Fahrplan unseres Lebens und die Landstraße nehmen, um einmal durchzuatmen. Lasst uns die Kurven voll ausfahren und unsere Haare im Winde wehen. Avicii schrieb einst „One day you’ll leave this world behind. So live a life you will remember”. Also tun wir es. Leben wir unser Leben in vollen Zügen und verschwenden wir unsere Zeit nicht mit Sorgen vor der Zukunft, denn wenn wir irgendwann in beigen Hosen im Sessel sitzen, mit dem Gebiss schwimmend in Kukident, sollten wir glücklich sein. Denn das Leben ist schön und wir haben nur das eine. Was wäre, wenn wir einfach leben?

Total
0
Shares
Ähnliche Beiträge
Mehr lesen

Komfort vs. Sicherheit

Ein Auto ohne menschliche/n FahrerIn? Während die Technik weiter voranschreitet und Großkonzerne wie Google oder Tesla um die Vormacht ringen, scheint das autonome Fahren für OttonormalverbraucherInnen noch in weiter Zukunft zu liegen. Felix Gieraths wägt Vor- und Nachteile autonomer Fahrzeuge ab.
VON Felix Gieraths
Mehr lesen

Können wir Bildern noch trauen?

Bilder sind die vielleicht wirkungsvollsten Medien überhaupt. Sie können Augenblicke festhalten, Emotionen transportieren, schockieren und als Zeitzeugen fungieren. Doch nicht alle Bilder zeigen die Wirklichkeit. Immer professioneller werdende Fotomanipulationen können eine komplett verfälschte Realität darstellen.
VON Dennis Schulten
Mehr lesen

Generationenkonflikte im Kampf um Klimagerechtigkeit

Seit Jahren kämpfen KlimaschützerInnen für ihre Zukunft. Eine Zukunft, die nicht funktioniert, wenn nicht auch Ältere rücksichtsvoller sind. Was den Verlust von Privilegien für ältere Menschen bedeutet, ist für Jüngere lebenswichtig – und eine Frage der Gerechtigkeit. Ein Generationskonflikt, der sich um die Rettung unserer Erde dreht.
VON Friederike Müller
Mehr lesen

Gender-Marketing nach Farben getrennt

Bereits im Strampler wird entschieden, Mädchen in rosa und Jungs in blau. Diese frühe Einteilung in Geschlechter, Farben und Rollen greift das Gender-Marketing auf. Wie uns die Werbeindustrie beibringt, was weiblich und was männlich sein soll, erzählt dieser Essay.
VON Nathalie Riedle