Gefiederte Nachbarn: die Taube

Für viele ist die Stadttaube nur ein Plagegeist. Doch sie hat auch eine Vorgeschichte und viele versteckte Fähigkeiten.

Waren sie doch die Begleiter des Menschen und wichtige Nachrichtenüberbringer, so sind sie nun eher verschrien als “Ratten der Lüfte”. 

Natürlich ist Vorsicht gut, aber Panik, dass Tauben die nächste Pestwelle auslösen könnten, ist eher überspitzt. Bereits Kindern wird beigebracht, Stadttauben nicht anzufassen. Die Wahrscheinlichkeit einer Krankheitsübertragung ist jedoch eher gering. Dabei ist die uns bekannte Stadttaube ein Nachfahre der Felsentaube, aus der die Haustaube gezüchtet wurde. Sie gehört zu den ältesten Haustieren des Menschen und besitzt erstaunliche Fähigkeiten, wie zum Beispiel einen Weitwinkelblick und ein gutes Gedächtnis. Es gibt Hinweise auf eine Zähmung 5000 v. Chr. in Ägypten und Mesopotamien. 

Wie kam es aber dazu, dass sich die Haustaube so weit verbreitete? 

Die weite Verbreitung der Haustaube entstand durch Vögel, die aus aufgegebenen Taubenschlägen kamen oder im Taubensport nicht den Anforderungen entsprachen und nicht nach Hause fanden, wenn sie nicht gerade starben. Diese Tauben bildeten den Ursprung der Stadt Population. 

Die Stadttaube war an Menschen schon immer gewöhnt und hielt sich somit häufigin ihrer Nähe auf. Im 20. Jahrhundert vermehrte sie sich dann in großen Städten auf der ganzen Welt. Die Haustaube wurde regelrecht darauf gedrillt, sich zu vermehren. Dabei sind Tauben ortstreu, familienorientiert und leben – abgesehen von ein paar Seitensprüngen – in fester langjähriger Paarbindung. Eine tierschutzgerechte Methode, um die Taubenpopulation einzudämmen, ist allerdings nicht das Nicht-Füttern. Dies ist tierschutzwidrig. Selbst unter- und mangelernährte Tauben hören nicht auf, zu brüten. Es ist auch nicht erlaubt, Tauben ohne ernsthaften Grund zu töten. Diese Handlung verstößt gegen das Tierschutzgesetz. Eine tierschutzgerechte Methode, um die Taubenpopulation zu kontrollieren, ist die Einrichtung betreuter Taubenschläge. 

Ein guter Grund, um die Kontrolle der Taubenpopulation in die eigenen Hände zu nehmen, ist nicht der Taubenkot, dieser sei laut Prüfungsbericht der TU Darmstadt nicht materialschädigend. Zwar hinterlassen unter anderen Berlins Tauben 27 Tonnen Trockenkot pro Jahr, aber Berlins Hunde machen den Tauben mit ganzen 55 Tonnen Kot pro Tag mehr als Konkurrenz. Die Gefahr, sich durch das Berühren eines Blumentopfes mit Pilzen zu infizieren, sei größer. 

Das Hauptproblem ist der schlierenförmige Kot der Stadttaube, der das Stadtbild heimsucht. Allerdings ist dieses ästhetische Problem auf die nicht artgerechte Fütterung der Tauben zurückzuführen. Pommes sind definitiv keine Lösung. Zwar sind Tauben Vegetarier, müssen allerdings auf kohlenhydratreiche und salzige Nahrung verzichten. Ein Pommes kann im Magen einer Taube gären und so Schmerzen verursachen. Worüber sich Taubenmägen freuen, sind u.a. Mais, Sonnenblumenkerne, getrocknete Erbsen sowie Weizen/Dinkelkörner und roher Naturreis. Mit einer gesunden, trockenen Körner Ernährung ist die Ausscheidung fest und dunkel. 

Tauben haben also ein Imageproblem, obwohl hinter der Fassade viel mehr steckt als von den meisten angenommen. Tauben sind Vögel mit Emotionen und Intelligenz. Werden sie ausgesetzt, versuchen sie so schnell wie möglich zurück nach Hause zu ihrer Familie zu kommen. Und hingegen der Vermutung, dass Tauben alles andere als schlau sind, finden in ihren Gehirnen Prozesse statt, die den Menschen ähneln. Somit können sie träumen und sogar verschiedene Wörter erkennen. 

Sie lernen gut, beinahe wie eine künstliche Intelligenz es tut. Viele Menschen würden behaupten, dass sich die meisten Tauben zum Verwechseln ähnlich sehen. Tauben hingegen können Menschen wiedererkennen und würden vermutlich nicht behaupten, dass sich Menschen zum Verwechseln ähnlich sehen. 

Es stellt sich also die Frage, warum wir diese kleinen Wesen so verurteilen. Die negative Einstellung gegenüber Tauben ist unbegründet, da sie voller Emotionen, Fähigkeiten und auch Vorgeschichte stecken. Wir sollten verantwortungsbewusster und besonnener mit unseren gefiederten Nachbarn umgehen, da wir selbst zu ihrer heutigen Situation beigetragen haben.

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