Omas gegen Rechts beim Orange Day in Braunschweig, Foto von Thea de Wolf

Wenn Omas laut werden

Engagement für die Demokratie: OMAS GEGEN RECHTS setzen ein Zeichen gegen Rechtsextremismus und Ausgrenzung. Ein Einblick in ihre Beweggründe und Sichtweisen auf die Gesellschaft.

Die zivilgesellschaftliche, parteiunabhängige Initiative OMAS GEGEN RECHTS engagiert sich vor dem Hintergrund einer zunehmend erstarkenden rechtspopulistischen Strömung in Deutschland für Menschenwürde, Demokratie und Vielfalt. Gegründet wurde sie am 27. Januar 2018. Wie auf der Webseite der OMAS GEGEN RECHTS zu lesen ist, wurden sie von der gleichnamigen österreichischen Bewegung inspiriert. Seit dem 26. Februar 2019 gilt die Initiative als Verein mit Sitz in Baden-Württemberg und ist in zahlreichen regionalen Gruppen organisiert.

Die Initiative bietet Omas, aber auch Opas die Möglichkeit, sich aktiv gegen Rassismus, Ausgrenzung, Hass, Hetze, Gewalt und Antifeminismus einzusetzen. Im Zentrum stehen Werte wie Toleranz, Respekt, Solidarität, Inklusion und Gewaltlosigkeit. Kooperationen erfolgen ausschließlich nach sorgfältiger Prüfung der Organisation und des Veranstalters. 

Die Ortsgruppe Braunschweig wurde am 14. Januar 2020 von elf engagierten Frauen gegründet und ist seitdem stark gewachsen. Gerade in von Krieg und Rechtsextremismus geprägten Situationen gilt sie als Ausdruck zivilgesellschaftlichen Engagements, das in Zeiten gesellschaftlicher Polarisierung besonders an Bedeutung gewinnt.

Für viele der Omas ist ihr Engagement ein bewusster Ausdruck von Zivilcourage – insbesondere in einer Lebensphase, in der gesellschaftliche Teilhabe und öffentliches Mitreden oft nicht mehr als selbstverständlich wahrgenommen werden. Ihre Haltung ist dabei stark geprägt von den eigenen Lebensgeschichten: von persönlichen Erinnerungen an die Nachkriegszeit oder von Erzählungen der Eltern und Großeltern über Ausgrenzung, Angst und Gewalt. Diese Erfahrungen beeinflussen die Wahrnehmung der aktuellen gesellschaftlichen und politischen Veränderungen und wirken sich so auch auf das Engagement der Mitglieder aus.

Bei OMAS GEGEN RECHTS treffen diese individuellen Erfahrungen aufeinander und werden im respektvollen Austausch besprochen und diskutiert. Regelmäßige Treffen, Gespräche und gegenseitige Unterstützung fördern den Zusammenhalt innerhalb der Gruppe und tragen dazu bei, dass sich die Mitglieder in ihren Haltungen bestätigt fühlen. Durch dieses Gemeinschaftsgefühl fällt es auch leichter, sich öffentlich zu positionieren.

Viele Mitglieder zeigen dieses Engagement auch nicht nur bei den OMAS GEGEN RECHTS, sondern auch privat. Die Beteiligung an weiteren Aktionen, wie etwa dem Orange Day gegen Gewalt an Frauen, wird als wichtiges Zeichen der Solidarität verstanden. Getragen ist dieses Engagement von der Überzeugung, dass Frauen über Generationen hinweg zusammenstehen müssen, um gemeinsam gegen Gewalt, Diskriminierung und Unrecht aufzutreten und ein deutliches gesellschaftliches Zeichen zu setzen.

Ein weiterer Blick hinter die Kulissen der Organisation OMAS GEGEN RECHTS:

Bilder: OMAS GEGEN RECHTS, Fotos von Angelika (Mitglied OMAS GEGEN RECHTS)

Die Organisation OMAS GEGEN RECHTS engagiert sich in Braunschweig bereits seit mehreren Jahren für Demokratie, Toleranz und den entschiedenen Einsatz gegen rechtsextreme Tendenzen. Durch ihr öffentliches Auftreten und ihre vielfältigen Aktionen verfolgt sie das Ziel, Aufmerksamkeit zu schaffen, gesellschaftliche Debatten anzustoßen und Menschen zum Nachdenken sowie zum Handeln zu motivieren. 

Doch wie wirksam ist dieses Engagement tatsächlich? Erreicht das Konzept der Organisation die Braunschweiger Bevölkerung und hinterlässt es einen nachhaltigen Eindruck? Und welche Haltung nehmen die BürgerInnen der Stadt gegenüber der Arbeit von OMAS GEGEN RECHTS ein?

OMAS GEGEN RECHTS sind inzwischen fest im öffentlichen Diskurs verankert und haben sich über einzelne Aktionen hinaus als sichtbarer Bestandteil von öffentlichem Engagement etabliert. Neben der medialen Aufmerksamkeit eröffnet sich damit auch eine politikwissenschaftlich relevante Perspektive. Insbesondere rückt die Frage nach der Bedeutung und Wirksamkeit zivilgesellschaftlicher Protestformen in den Fokus. Vor allem  vor dem Hintergrund einer politischen Landschaft, die zunehmend von Polarisierung und gesellschaftlichen Spannungen geprägt ist.

Politikwissenschaftler und Professor Nils C. Bandelow an der TU Braunschweig nimmt die aktuelle politische Lage zum Anlass, um zentrale Entwicklungen einzuordnen und analytisch zu beleuchten. 

Er erklärt unter welchen strukturellen Voraussetzungen Initiativen, wie OMAS GEGEN RECHTS, eine politische Wirkung entfalten können und welche Mechanismen dabei eine Rolle spielen. Außerdem beschreibt er, wie demokratische Prozesse durch zivilgesellschaftliches Engagement beeinflusst werden, welche Bedeutung generationelle Erfahrungen in öffentlichen Debatten haben und warum Aspekte wie Glaubwürdigkeit und Autorität für die Wahrnehmung und Wirkung solcher Bewegungen relevant sind.

OMAS GEGEN RECHTS dienen in diesem Zusammenhang als Fallbeispiel innerhalb umfassenderer politischer und gesellschaftlicher Entwicklungen.

Wenn AktivistInnen und Studierende miteinander ins Gespräch kommen, treffen unterschiedliche Generationen aufeinander, die von jeweils eigenen Erfahrungen, Prägungen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen geformt wurden. Gerade dieser generationsübergreifende Austausch gewinnt in der heutigen Zeit zunehmend an Bedeutung. Er eröffnet die Möglichkeit, voneinander zu lernen und gemeinsame Perspektiven für demokratisches Engagement zu entwickeln. Dabei wird nicht der Gegensatz zwischen Jung und Alt beleuchtet, sondern die Frage, wie sich unterschiedliche Formen von Wissen und Erfahrung ergänzen können. 

Die Mitglieder von OMAS GEGEN RECHTS bringen Erinnerungen, historische Einordnungen und ein über Jahre gewachsenes Bewusstsein für demokratische Werte ein. Studierende hingegen bewegen sich in aktuellen politischen Diskursen, nutzen neue Kommunikationsformen und entwickeln neue Ansätze gesellschaftlicher Beteiligung. Beide Generationen verfügen damit über Ressourcen, die im Austausch an Bedeutung gewinnen und sich gegenseitig ergänzen.

Wenn verschiedene Generationen zusammenarbeiten, können sie voneinander lernen und sich gegenseitig besser verstehen. Ältere geben ihre Erfahrungen weiter, ohne alles besser wissen zu müssen, und Jüngere bringen neue Ideen ein, ohne das Bewährte zu vergessen. So entsteht ein respektvolles Miteinander, in dem man gemeinsam nachdenkt und Verantwortung übernimmt. 

Die Omas von OMAS GEGEN RECHTS und Studierende zeigen in einem generationsübergreifenden Dialog, wie demokratische Werte reflektiert und weiterentwickelt werden können. Dabei wird klar, dass gesellschaftliches Engagement keine Frage des Alters ist, sondern von Haltung, Offenheit und Bereitschaft zum Austausch lebt. 

Audiodatei folgt zeitnah

Der Verein OMAS GEGEN RECHTS zeigt, dass demokratisches Engagement viele Formen annehmen kann. Neben Demonstrationen nehmen sie auch an andere gesellschaftliche Projekten teil, etwa im Einsatz gegen Gewalt an Frauen oder in solidarischen Bündnissen. Ihr Engagement macht deutlich, dass Verantwortung für Demokratie nicht auf einzelne Aktionen beschränkt ist, sondern im Alltag weiter geht. 

Die Arbeit der Initiative bezieht unterschiedliche Generationen mit ein. Sie trägt dazu bei, Diskussionen anzuregen, Erfahrungen weiterzugeben und Menschen verschiedener Altersgruppen zu erreichen. In diesem Zusammenhang wird Demokratie als ein gemeinschaftlicher Prozess verstanden, der von AkteurInnen unterschiedlicher Generationen mitgetragen wird.

Das Engagement der OMAS GEGEN RECHTS verweist darauf, dass zivilgesellschaftliche Beteiligung nicht an ein bestimmtes Lebensalter gebunden ist. Es steht exemplarisch für Formen öffentlichen Engagements, die sich für demokratische Grundwerte und gesellschaftliche Vielfalt einsetzen.

Titelbild: Omas gegen Rechts beim Orange Day in Braunschweig, Foto von Thea de Wolf

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