„[…] Man kann ja mal probieren vorzusprechen“. Und so einfach gelang es Cedric, in seinen Traumberuf einzutreten. Eine kleine Entscheidung, die große Veränderung mit sich brachte. Schauspieler sein und werden ist dennoch alles andere als einfach. Was mit einer scheinbar einfachen Entscheidung anfing, entwickelte sich zu Cedrics heutigem turbulenten, erlebnisreichen und spannungsgeladenen Alltag als junger Schauspieler am Staatstheater in Braunschweig.
Hier kann er sich selbst immer wieder neu erfinden und in die verschiedensten Rollen schlüpfen. Neben seiner Karriere am Staatstheater ist der 25-Jährige ebenfalls in Film- und Kinoprojekten zu sehen. Allerdings verrät er uns im Interview: „Am liebsten würde ich natürlich beides machen – Film und Theater. Aber wenn ich mich entscheiden müsste, gerade […] eher Tendenz zum Theater, weil das […] live ist und mir mehr gibt […].”Er ist wie maßgeschneidert für die Bühne. Mit seiner herzlichen und authentischen Art überzeugte er nicht nur das Staatstheater, sondern auch etliche Zuschauer*Innen im Publikum in den verschiedensten Stücken.
Nicht nur durch seine Theaterauftritte macht der junge Schauspieler auf sich aufmerksam. Um in der Zukunft auch für diverse andere Projekte gecastet zu werden, hat Cedric unter anderem ein Profil auf „filmmakers.eu“, eine Plattform mit europaweiter Sichtbarkeit für Schauspieler und Schauspielerinnen, Agenturen und Managements, um sich untereinander zu vernetzen und im besten Fall gebucht zu werden. Dort erfahren Castingagenturen und andere Suchende schnell und einfach die wichtigsten Eckdaten, die man im Falle einer Darsteller-Suche in Erfahrung bringen muss : professionelle und vielseitige Bilder, Informationen über Geschlecht, Größe, Augen- und Haarfarbe, Alter sowie Spielalter, also die Altersspanne, in der Cedric Figuren verkörpern könnte. Neben ein paar weiteren Fakten über das äußere Erscheinungsbild und die ethnischen Zugehörigkeit werden ebenfalls Skills wie Sprachen und Dialekte, sportliche Aktivitäten oder musikalische Fähigkeiten aufgelistet. Zudem werden auf der Plattform alle bereits vergangenen oder aktuellen Projekte einer Person eingetragen, sei es Film, Theater oder sonstige schauspielerische Projekte. Dieses Portfolio hilft jungen Schauspielern wie Cedric dabei, auch außerhalb Deutschlands gesehen zu werden, und bietet eine große Arbeitsfläche. Dennoch ist gecastet zu werden und stets eine neue Anstellung zu finden nicht selbstverständlich, wie er uns später erzählt.
Cedric stammt ursprünglich aus Berlin, wuchs dort auf, absolvierte 2018 sein Abitur und ging anschließend zum Jungen DT – dem Jugendspielclub des Deutschen Theaters in Berlin. Das öffnete ihm neue Türen. Er realisierte, dass man Schauspiel studieren kann, war sich jedoch noch nicht sicher, wie er sich seine Zukunft vorstellt. Die nächsten Jahre jobbte er, zum Teil Work-and-Travel, in Skigebieten in Frankreich oder auch als Küchenjunge.
„Okay, komm, was machst du?“. Diese Frage stellte sich Cedric nach 3 Jahren des Jobbens und entschloss sich dafür, einfach mal vorzusprechen. Er wurde angenommen und begann 2021 an der Kunst-Uni in Graz Schauspiel zu studieren. Vor seiner Zeit in Braunschweig war der junge Schauspieler am Hessischen Landestheater in Marburg tätig. Nun ist er im Ensemble am Staatstheater in Braunschweig vertreten. Dieses hat insgesamt drei Spielstätten zu bieten. Das Große Haus, das Kleine Haus sowie das Aquarium. Außerdem wird im Sommer eine Freilichtbühne auf dem Braunschweiger Burgplatz aufgebaut. Als junger Schauspieler gehört es dazu, viele Risiken einzugehen und sich zu trauen. Emotionen wie Nervosität oder Schamgefühl müssen abgelegt oder zumindest für gewisse Augenblicke ignoriert werden. Das fällt einem um einiges leichter, wenn man wie Cedric wirklich Spaß an seinem Beruf hat und auch bei Casting-Absagen die Leidenschaft für die Schauspielerei nicht verliert.
Wie er sich durch das Meer aus Höhen und Tiefen, Rückschlägen und Erfolgen sowie Freude und Furcht navigiert und worauf es in dem Beruf wirklich ankommt, erzählt er uns persönlich, als wir uns im November 2025 mit ihm treffen durften:
Nicht nur die Rolle an sich, das Was, verlangt eine sorgfältige Vorbereitung mit Fragen wie „Wer bin ich?“ und „Was will ich zeigen?“. Ebenso wichtig ist das Wie: „Wie präsentiere ich mich dem Publikum?“. Darunter fällt auch die Stimme. Im Theater ist die Stimme der SchauspielerInnen neben dem visuellen Auftreten eines der – wenn nicht sogar das wichtigste – Element.
Anders als bei modernen Spielfilmen, die das Publikum durch CGI, Color Grading oder nachbearbeitetem Sounddesign nochmal auf eine ganz andere Art und Weise catchen können, gibt es bei Theaterauftritten nur das, was das Publikum in dem Moment sehen und hören kann. Ein guter Schauspieler muss gut schauspielern, das ist klar. Genauso wichtig ist es aber, das Publikum mit der Stimme überzeugen zu können. Jedes Stück, jede Rolle und jeder Satz wird mit Bedacht gesprochen. Um die gewollte Wirkung erzielen zu können, muss die Stimme trainiert werden.
Im Winter 2025 spielte Cedric im Weihnachtsmärchen in dem Stück „Pippi Langstrumpf” eine der Hauptrollen. Er verkörpert Tommy, Annikas großen Bruder und einen von Pippis besten Freunden. Auch für das Sprechen von Tommy hat Cedric seine Stimme passend vorbereiten müssen. Bei einer recht textreichen Rolle wie dieser helfen Sprech- und Stimmübungen, die Stimme aufzulockern und die Belastbarkeit sowie die Flexibilität der Stimmbänder zu verbessern. Auch die Atemkontrolle wird dabei trainiert. Alles essenzielle Bestandteile eines Theaterauftritts. Auch sie gehören zu seinem Alltag als Schauspieler dazu. Nicht ohne Grund ist die Stimmlage eines der Attribute, die man auf der Plattform „Filmmakers” angeben kann. Wie solche Sprechübungen klingen könnten, hat Cedric hier einmal demonstriert:
Seit mehreren Wochen bereiten sich Cedric und seine KollegInnen auf die anstehenden Auftritte in der Weihnachtszeit vor. Der Abschluss dieser Proben stellt erst die Hauptprobe und danach die Generalprobe dar – ein letzter Durchlauf vor leeren Stühlen. Dieser läuft nicht perfekt, das tun Theaterauftritte nie. Während eines Stückes bewegen sich die DarstellerInnen auf einem schmalen Pfad zwischen schauspielerischer Professionalität, Improvisationsfähigkeit und gegenseitigem Vertrauen, welche die Auftritte lebendig und authentisch machen. Wie bei einem Theaterstück sind das richtige Timing, die Einhaltung der eigenen Rolle und Aufgaben auch hinter der Bühne von großer Bedeutung. Maske, Soundcheck, Kostüm und weitere, für den Zuschauer unsichtbare Aufgaben, gehören zu der Zusammenarbeit, die die DarstellerInnen eingehen müssen. So verläuft es auch bei der Hauptprobe von „Pippi Langstrumpf”, bei der wir einige Momente mitnehmen durften:
Eine unterhaltsame und fesselnde Zeit wird einem in dem Mehrspartentheater garantiert geboten. Die Anfänge des Theaters als Hoftheater reichen bis ins Jahr 1690 zurück. Bei dem Braunschweiger Staatstheater handelt es sich um ein Fünfspartenhaus. Von Tanz und Musik, zu Schauspiel, bis zu Kinder- und Jugendtheater ist für jeden was dabei. Auch das Staatsorchester Braunschweig ist im Haus vertreten. Obendrein ist das Theater das älteste öffentliche Mehrspartentheater Deutschlands. Es bietet ein breites Angebot an kulturellen Erlebnissen, die nicht so einfach in Vergessenheit geraten.
Junge Menschen, die einen ähnlichen Traum wie Cedric verfolgen, haben am Staatstheater Braunschweig gute Chancen, gesehen und gehört zu werden. Seit 1983 ist dieses nämlich eines der ersten Theatereinrichtungen Deutschlands, die eine eigene Kinder- und Jugendtheatersparte zu bieten haben. Dabei priorisiert das Haus, jungen Menschen eine Chance zu geben, sich selbst zu zeigen und einbringen zu können. Sei es Schauspiel, Tanz oder Musik. Wer also gerne den Schritt wagen würde, doch bis jetzt noch nicht wusste, wie und wo man da anfangen soll, der wird sich im Braunschweiger Staatstheater mit Sicherheit gut aufgehoben fühlen.
Ob auf der Bühne oder im Parkett, das Staatstheater empfängt alle Kulturinteressierten und Kunstbegeisterten mit offenen Armen. Wagt den Schritt auf die Bühne, oder kauft eine Karte. Ihr werdet es nicht bereuen.
Ab Mitte 2026 wird Cedric leider nicht mehr am Staatstheater Braunschweig vertreten sein. Er wird neue Wege einschlagen und seine Karriere als Schauspieler anderweitig vorantreiben. Wohin genau es dann für ihn hingeht, kann Cedric noch nicht genau sagen. Fest steht aber, dass er sich auf das freut, was noch kommen soll.
Titelbild: Cedric Ziouech auf der Bühne, Foto von Nina Brandt und Marlene Krause