Wo kommst du eigentlich wirklich her?

Rassismus hat viele Gesichter. Er zeigt sich in kleinen Witzen, übergriffigen Gesten, oder sogar durch physische tätliche Angriffe. Unsere AutorInnen erzählen aus ihrem Alltag.

Wieso werde ich von vielen Menschen anders angeschaut oder behandeln als meine weißen FreundInnen? Das habe ich, als ich klein war, nie wirklich verstanden. Erst im Laufe der Zeit wurde mir schmerzlich verdeutlicht, was mich anders macht. Meine Hautfarbe.

In der fünften Klasse wurde ich auf dem Schulhof das erste Mal als Neger beleidigt und geschlagen. Zu dem Zeitpunkt habe ich die Bedeutung des Wortes noch nicht gekannt und musste nach der Schule meine Mutter fragen. Zweieinhalb Wochen später wurde ich von anderen MitschülerInnen auf dem Schulflur aufgrund meiner Hautfarbe verprügelt.

Ich bin „light-skinned“. Meine Mutter hat dunkle Haut, afrikanische Wurzeln und deutsche Adoptiveltern. Mein Vater ist weiß und kommt aus einer deutschen Familie. Ich selbst habe braune Haut. „Hä? Du bist doch gar nicht so schwarz?“

Dieser Satz wird mir häufig von meinen Mitmenschen an den Kopf geworfen, wenn ich meine Erfahrungen mit ihnen teile. Dass dies meine Erlebnisse nicht weniger verletzend macht, ist ihnen meistens nicht bewusst. Viele Menschen können mich nicht direkt einordnen. Für meine schwarzen FreundInnen bin ich weiß, für meine weißen FreundInnen bin ich schwarz. Jeder sieht mich anders. Aus diesem Grund sehen es Menschen mit weißer Hautfarbe oft als unproblematisch, sich in meiner Gegenwart rassistisch zu äußern. Ihnen zufolge wäre ich nicht schwarz genug, um mich von so etwas angegriffen zu fühlen. Ich bin nicht klar schwarz oder weiß. Ich bin dazwischen. Ein Mischling, ein „Lightskin“.

Beim Älterwerden hat mich mein Aussehen vor große Herausforderungen gestellt. Es fiel mir unheimlich schwer, Gruppen oder Personen zu finden, mit denen ich mich identifizieren konnte. Braune Haut zu haben ist an vielen Orten nichts Ungewöhnliches. Doch in der Umgebung, wo ich aufgewachsen bin, hatte ich immer Angst, aufgrund meines Aussehens nicht akzeptiert zu werden.

Wenn ich daran zurückdenke, haben mich diese Erlebnisse zu dem Menschen gemacht, der ich jetzt bin. So schmerzvoll sie auch waren – ich habe gelernt, alle Menschen mit Respekt zu behandeln, egal wie sie aussehen.

Total
0
Shares
Ähnliche Beiträge
Choreographie der Fanszene des HSV, Foto von Henri Klein
Mehr lesen

Sicherheit vs. Fanfreiheit

Fußballfans zwischen Leidenschaft und Kontrolle – im deutschen Fußball sorgen Eskalationen in den Stadien und die Debatte um die Polizeigewalt immer wieder für Schlagzeilen. Die Herausforderung für Politik und Fan-Hilfen: gemeinsame Lösungen finden.
VON Henri Klein
Mehr lesen

Die feministische Revolution im Iran – Das Ende des Mullah-Regimes

Der gewaltsame Tod der 22-jährigen Jina Masha Amini Mitte September 2022 löste die aktuelle Revolution aus. Nach 43 Jahren der staatlichen Willkür, Repression und Todesurteilen fordern die Demonstrierenden ihre universellen Frauen- und Menschenrechte ein. Im Folgenden werden die feministische Revolution und ihre Ursprünge nachgezeichnet und die neuen Elemente der Revolution näher beleuchtet. Ein Gastbeitrag von der Referentin Gleichberechtigung und Integration bei TERRE DES FEMMES Menschenrechte für die Frau e.V.
VON Stephanie Walter
Mehr lesen

Faszination Trash-TV

„Are You the One“, „Das Sommerhaus der Stars“ oder „Der Bachelor“ sind Trash-TVFormate, von denen sicherlich die meisten bereits gehört haben. Regelmäßig kommen neue Sendungen auf allen möglichen Streaming-Plattformen dazu. Dabei gilt das alte Trash-TV-Konzept: Hauptsache kontrovers, Hauptsache polarisierend.
VON Lena Kurz