Junge Kommunalpolitiker: Ambitioniert im Kleinen

Neben der Bundestagswahl fand in Deutschland 2021 auch die Kommunalwahl statt. Obwohl Kommunalpolitik weitaus weniger Aufmerksamkeit bekommt, engagieren sich auch hier junge Menschen und übernehmen Verantwortung.
Jonaß Reuß (Foto: Moritz Rüscher)

Seit zehn Jahren ist der 25-jährige Jonas Reuß eines von circa 100.000 MitgliederInnen der CDU-Jugendabteilung, Junge Union. Für Politik interessiert er sich seit er 13 Jahre alt ist. „Zur Jungen Union bin ich durch meinen Onkel gekommen. Der ist schon seit Ewigkeiten in der CDU und ich habe den Wahlkampf als Jugendlicher schon immer irgendwie mitbegleitet.“ Da er konservativ eingestellt sei, war die CDU die Partei, die diese Werte damals für ihn am besten vertreten habe. Nach 2016 ist er schon zum zweiten Mal bei der Kommunalwahl im Landkreis Gifhorn angetreten und bekleidet nun sein erstes politisches Amt im Gamsener Ortsrat.

Ebenfalls ins Amt gewählt wurde dieses Jahr Henning Evers. Er ist Mitglied der SPD und mit gerade einmal 25 Jahren Bürgermeister der Samtgemeinde Hankensbüttel. Davor war er bereits kommunalpolitisch in Schleswig-Holstein aktiv. „Ich glaube das ist ganz ortsunabhängig, ob man Lust hat sich zu engagieren“, sagt er.

Henning Evers (Foto: Evers)

Ein kommunalpolitisches Amt ist aber auch mit Herausforderungen verbunden. Gerade wenn man als junger Mensch das erste Mal dabei ist. Henning Evers ist der Ansicht, dass ihm sein Alter teilweise als Nachteil ausgelegt werde. Er glaubt, dass sei eine Blockade im Kopf, die sich noch lösen müsse. Dieser Ansicht ist Jonas Reuß nicht. Die Leute seien sogar froh darüber, sagt er.

Ebenfalls herausfordernd können für KommunalpolitikerInnen kleinere alltägliche Aufgaben sein, wenn ein politisches Amt erstmals ausgeübt wird. Henning Evers: „Die Herausforderung, die ich gerade habe ist, mich selbst zu organisieren, zu gucken, wie die Abläufe funktionieren. Ich bin kein gelernter Verwaltungsfachmann, das ist klar. Damit bin ich auch immer offen umgegangen.“

Eine wachsende Belastung ist die Zunahme von Beleidigungen und Gewalt gegenüber KommunalpolitikernInnen. Laut einer Umfrage des Magazins Kommunal,  hätten 72 Prozent der befragten BürgermeisterInnen bereits Erfahrungen mit Beleidigungen, Beschimpfungen, Bedrohungen oder sogar Gewalt gemacht. „Für mich ist jetzt natürlich der Vorteil, dass ich hier neu bin und relativ unvorbelastet bin. Also nicht schon im Vorfeld irgendwie Gegenstand eines politischen Streits war. Trotzdem glaube ich, dass diese Statistiken definitiv auch die Realität abbilden“, meint Henning Evers.

Einen langfristigen politischen Karriereplan haben die beiden Kommunalpolitiker allerdings nicht. Jonas Reuß möchte sich auf jeden Fall weiter kommunalpolitisch engagieren. „Nächstes Mal werde ich versuchen in den Stadtrat zu kommen“, betont er. Dass man als PolitikerIn nur eine bedingte Planungssicherheit hat, macht auch Henning Evers deutlich: „Ich persönlich bin von meinem privaten Umfeld und oft von meinen damaligen Hochschullehrern sehr dafür sensibilisiert worden. Man sagte mir, ich habe zu beachten, dass das Bürgermeisteramt nur ein Amt auf Zeit sei und ich damit rechnen müsse, mir nach fünf Jahren eine neue Aufgabe zu suchen.“ Es sei ratsam privat und beruflich in Fünf-Jahres-Abständen zu planen. Das gehöre zum Job dazu. 

Trotz einiger Herausforderungen ist es wichtig, dass sich auch junge Menschen kommunalpolitisch engagieren. Jonas Reuß: „Es gibt eben Themen, die aufkochen, die betreffen hauptsächlich junge Leute.“

KommunalpolitikerInnen übernehmen Verantwortung in den Gemeinden. (Foto: Moritz Rüscher)

Weitere Einblicke in die Welt von jungen KommunalpolitikerInnen findet Ihr im nachfolgenden Podcast. Die beiden Junge Union-Mitglieder Jonas Reuß und Manuel Marrone sprechen über Chancen und Herausforderungen:

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