Wie jemand reagiert, wenn man sagt: „Das ist bei mir gerade nicht drin“, ist entscheidend. Ein einfaches und verständnisvolles „Okay“ gibt Sicherheit. Ein unpassender Kommentar dagegen kann gravierende Folgen haben und dazu führen, dass man sich schämt, künftig weniger ehrlich ist und finanzielle Probleme versteckt.
Unabhängig davon, mit wem man es zu tun hat, und ob jemand ein hohes oder niedriges Einkommen hat: Wenn die Person mit den Worten „Wie kannst du dir das nicht leisten?“ oder „Es sind doch nur ein paar Euro.“ reagiert, ist das demütigend und einschüchternd.
Es wird vermittelt, dass man etwas falsch macht, dass man ja nur selbst dafür verantwortlich sein kann. Dabei sollte es absolut keine Schande sein, finanziell eingeschränkt zu sein. Denn oftmals hat man wenig Einfluss darauf und kann schlicht und einfach nichts dafür, nicht wohlhabend genug geboren zu sein.
Schweigen trotz Relevanz
Es gibt viele Faktoren, die die finanziellen Mittel von Studierenden negativ beeinflussen: unerwartete Kosten, hohe Mieten und vieles mehr. So ist beispielsweise das Armutsrisiko für diejenigen, die allein oder ausschließlich mit anderen Studierenden zusammenleben, erhöht. Unter ihnen betrug die Armutsgefährdungsquote 2021 nach der Erhebung zu Einkommen und Lebensbedingungen 76 %. Der durchschnittliche Anteil der Wohnkosten am Einkommen für diese Studierenden lag im selben Jahr bei über 50 % und damit deutlich über der Wohnkostenbelastung der Gesamtbevölkerung.
Auch das Fehlen einer stabilen finanziellen Basis, kein oder zu wenig BaföG oder Eltern, die selbst finanziell zu kämpfen haben, sind maßgebliche Faktoren. Gerade unter Studierenden ist das Thema somit eigentlich allgegenwärtig, wird aber dennoch oft verschwiegen. Dabei sind laut einer Studie der europäischen Gemeinschaftsstatistik über Einkommen und Lebensbedingungen ein Drittel aller Studierenden armutsgefährdet.
Der soziale Druck, mithalten zu müssen
Genau deswegen ist es wichtig, sich in Erinnerung zu rufen, dass die eigene Situation gar nicht so selten ist. Dass man nicht allein ist, sich nicht schämen muss. Doch genau das fällt oftmals schwer. Man ist ungern der oder diejenige, die „Nein“ sagt. Nicht nur, aber insbesondere, wenn alle anderen „Ja“ sagen können. Dabei waren laut dem Statistischen Bundesamt im Jahr 2021 38,5 % der Studierenden finanziell nicht in der Lage, unerwartete größere Ausgaben zu bestreiten. Dennoch haben viele Angst, anders behandelt zu werden, wenn sie dies zugeben müssten.
Doch oftmals ist es auch mehr Schein als Sein, dass andere ,,Ja” sagen können. Gerade weil die Angst besteht, dass sie ausgeschlossen oder bemitleidet werden könnten, verschulden sich heutzutage viele junge Menschen. Einfluss darauf hat auch Social Media. Dort präsentieren andere, oftmals im selben Alter, ihre Luxusgüter oder erzählen von tollen Reisen. Leicht bekommt man dann den Eindruck, dass man dies auch besitzen oder erlebt haben sollte. Dass es normal ist, sich diese Dinge leisten zu können.
Schnell gerät dann aus dem Fokus, dass insbesondere reichweitenstarke InfluencerInnen ganz andere Mittel zur Verfügung haben. Und auch wenn „normale” Menschen solche Dinge oder Erlebnisse präsentieren, besteht immer noch die Möglichkeit, diese zu kaufen, obwohl man eigentlich gar nicht die Mittel dazu hat. „Buy now, Pay Later” – Anbieter und Ratenzahlungsmöglichkeiten wie Klarna sind für junge Menschen einfach zugänglich, können jedoch weiter zu finanziellen Problemen führen. Wer Zahlungen nicht leisten kann, bekommt teure Mahnungen. Oftmals kann das Zahlungsziel gegen einen Aufpreis verschoben werden. Rechnungen können also weiter und weiter verdrängt oder vergessen werden und damit immer weiter steigen.
Offen über (kein) Geld sprechen
All dies zeigt: Das Thema der finanziellen Schwierigkeiten muss enttabuisiert werden! Wenn das Gespräch offen geführt werden kann, und man auch sagen darf, dass man sich manches als studierende Person mit einem begrenzten Budget nicht leisten kann, wird es einfacher, sich mit der eigenen finanziellen Lage auseinanderzusetzen – ohne das Gefühl zu haben, dass man etwas falsch macht, nicht mithalten kann oder sich dafür schämen müsste.
Denn für manche ist es eben einfacher, finanziell frei zu sein. Das ist die Realität. Doch genau deswegen sollte ein „Ne, das kann ich mir gerade nicht leisten“ genauso normal sein wie ein „Ja, klar.“
Titelbild: Leere Tasse und Geld, Foto von Johanna Wittkowski